
Eine Studie aus Manaus liefert neue Daten zur Behandlung der Malaria tertiana im brasilianischen Amazonas: Laut der Curavivax-Studie, die im Fachjournal The Lancet Infectious Diseases erschienen ist (online am 11. Mai 2026, Septemberausgabe 2026), verhinderte die Kombination Dihydroartemisinin-Piperaquin frühe Rückfälle deutlich besser als das bisherige Standardmittel Chloroquin, wenn das Rückfallmittel Primaquin erst später gegeben wurde. Mit sofortigem Primaquin wirkten beide Schemata vergleichbar gut. Was die Studie zeigt, wo in Brasilien überhaupt ein Malariarisiko besteht und was das für Ihre Amazonas-Reise bedeutet, lesen Sie hier.

Was hat die Curavivax-Studie untersucht?
Curavivax war eine offene, randomisierte Studie an einem einzigen Zentrum: der Fundação de Medicina Tropical Dr. Heitor Vieira Dourado in Manaus, einem öffentlichen Referenzzentrum für Infektionskrankheiten im brasilianischen Amazonasgebiet. Federführend waren Forschende der Fiocruz und der Universidade do Estado do Amazonas um Marcus Lacerda; finanziert wurde die Studie vom brasilianischen Gesundheitsministerium und dem nationalen Forschungsrat CNPq.
Hintergrund ist ein praktisches Problem: In Brasilien wird die Plasmodium-vivax-Malaria seit Langem mit Chloroquin behandelt, ergänzt durch Primaquin gegen ruhende Leberstadien. Laut den Studienautoren kommt es trotz Chloroquin jedoch zu frühen Rückfällen, und die mehrtägige Primaquin-Einnahme wird im Alltag oft nicht durchgehalten. Die Forschenden wollten deshalb wissen, ob Dihydroartemisinin-Piperaquin eine wirksame Alternative ist.
Zwischen Juli 2018 und Januar 2021 wurden 419 Patientinnen und Patienten älter als sechs Monate mit mikroskopisch bestätigter vivax-Malaria aufgenommen. Voraussetzung war eine ausreichende Aktivität des Enzyms G6PD. Die Teilnehmenden erhielten per Zufall eine von vier Behandlungen: Chloroquin oder Dihydroartemisinin-Piperaquin, jeweils kombiniert mit Primaquin entweder ab dem ersten Tag oder erst ab Tag 42. Entscheidend war die Rückfallrate bis Tag 42.
Welche Ergebnisse hat die Studie geliefert?
- Mit sofortigem Primaquin: Beide Schemata wirkten sehr gut. Bis Tag 42 kam es unter Chloroquin plus Primaquin bei 2,0 Prozent zu einem erneuten Auftreten der Malaria, unter Dihydroartemisinin-Piperaquin plus Primaquin bei 1,0 Prozent. Der Unterschied war nicht signifikant.
- Ohne Primaquin in den ersten sechs Wochen: Hier zeigte sich ein deutlicher Unterschied. Nach Dihydroartemisinin-Piperaquin traten bis Tag 42 bei 2,4 Prozent Rückfälle auf, nach Chloroquin bei 27,3 Prozent.
- Verträglichkeit: Alle Behandlungen wurden laut den Autoren gut vertragen.
Die Autoren folgern, dass Dihydroartemisinin-Piperaquin mit Primaquin – ob sofort oder verzögert begonnen – den Einsatz dieses Mittels zur Behandlung der vivax-Malaria in Lateinamerika stützt. Die Studie liefert damit Daten für die Behandlung in endemischen Ländern. Sie ist keine Studie zur Vorbeugung bei Reisenden.
Warum ist Plasmodium vivax für Reisende tückisch?
P. vivax verursacht die Malaria tertiana. Schwere Verläufe sind deutlich seltener als bei der Malaria tropica, die Beschwerden können aber stark ausgeprägt sein. Die Besonderheit: Ein Teil der Erreger kann in der Leber als ruhende Form, sogenannte Hypnozoiten, überdauern und Wochen bis Monate später einen neuen Malariaschub auslösen. Die deutsche Leitlinie zur Malariatherapie nennt für die Malaria tertiana eine Inkubationszeit von zwölf Tagen bis über einem Jahr.
Für Reisende ist ein Punkt besonders wichtig: Laut den DTG-Empfehlungen 2026 kann keines der drei in Deutschland zur Chemoprophylaxe verwendeten Medikamente das Überleben der Hypnozoiten verhindern. Eine Malaria tertiana kann deshalb auch nach korrekt eingenommener Prophylaxe noch auftreten. Mehr über diese Form lesen Sie auf unserer Seite zur Malaria tertiana.
Wo in Brasilien besteht ein Malariarisiko?
Malaria kommt in Brasilien nur regional vor. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) beziffert in ihren im August 2026 veröffentlichten Empfehlungen den Anteil von P. vivax auf 80 Prozent, von P. falciparum einschließlich Mischinfektionen auf 19 Prozent. Die Risikoeinteilung der DTG im Überblick:
- Hohes Risiko – Chemoprophylaxe empfohlen: Teile des Amazonasbeckens, nämlich Teile der Bundesstaaten Acre, Amapá, Amazonas und Roraima sowie Teile des Nordostens und Südwestens von Pará.
- Mittleres Risiko – Mückenschutz, gegebenenfalls Notfallselbstbehandlung: die meisten Gebiete von Amapá, Pará und Rondônia, der Westen von Mato Grosso, Teile des Bundesstaates Amazonas, die Stadtzentren von Boa Vista und Porto Velho sowie Flusskreuzfahrten mit Übernachtung auf großen Schiffen in Hochrisikoregionen.
- Geringes Risiko – Mückenschutz: die übrigen Landesteile einschließlich Pantanal, Iguaçu-Fälle und der Stadtzentren von Santarém, Macapá und Manaus.
- Malariafrei: die Städte Brasília, Curitiba, Fortaleza, Porto Alegre, Recife, Rio de Janeiro, Salvador, São Paulo und Vitória.
Für die Reiseplanung heißt das: Wer nur die Küstenmetropolen und die Iguaçu-Fälle besucht, braucht keine Tabletten zur Vorbeugung. Wer dagegen Lodges, Dörfer oder Flussabschnitte in den Hochrisikogebieten ansteuert, sollte die Prophylaxe rechtzeitig ärztlich klären. Eine Übersicht nach Regionen finden Sie auf unserer Länderseite Malaria in Brasilien.
Was bedeutet die Studie für die Behandlung in Deutschland?
Die deutsche S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Malaria“ (AWMF-Register 042-001, Stand 2025) sieht für die akute Malaria tertiana bereits Artemether-Lumefantrin oder Dihydroartemisinin-Piperaquin vor, in gleicher Dosierung wie bei der Malaria tropica. Die Leitlinie weist darauf hin, dass dies einen Off-Label-Einsatz darstellt; in der EU ist Dihydroartemisinin-Piperaquin (Eurartesim) seit 2011 nur für die unkomplizierte falciparum-Malaria zugelassen. Vor und während der Behandlung mit Dihydroartemisinin-Piperaquin sind EKG-Kontrollen vorgesehen, und das Präparat war in Deutschland laut Leitlinie zuletzt nur eingeschränkt verfügbar. Die Curavivax-Daten stützen diesen Ansatz mit Evidenz direkt aus dem Amazonasgebiet.
Gegen Rückfälle soll laut Leitlinie in der Regel zusätzlich Primaquin gegeben werden, um die Hypnozoiten in der Leber zu beseitigen. Primaquin ist in Deutschland nicht im Handel und muss über internationale Apotheken bezogen werden. Vorher muss ein G6PD-Mangel ausgeschlossen werden, weil sonst schwere Blutzellzerfälle (Hämolysen) drohen. Das verwandte Tafenoquin ist in den USA für Patienten ab 16 Jahren zur Rückfallvorbeugung zugelassen, in Deutschland aber nicht auf dem Markt. Hintergründe zum Wirkstoff finden Sie auf unserer Seite zu Primaquin. Welche Behandlung im Einzelfall angemessen ist, entscheidet das ärztliche Team.
Checkliste für Ihre Amazonas-Reise
- Reiseroute genau klären: Das Risiko unterscheidet sich in Brasilien stark nach Region, Unterkunft und Reiseart. Nehmen Sie Ihre genaue Route zur Beratung mit.
- Rechtzeitig beraten lassen: Planen Sie einige Wochen vor Abreise einen Termin bei einer reisemedizinischen Fachstelle ein, damit Prophylaxe oder Notfallselbstbehandlung in Ruhe besprochen werden können.
- Mückenschutz konsequent umsetzen: Die DTG bezeichnet DEET als Goldstandard unter den Repellentien; Icaridin ab 20 Prozent gilt als ähnlich wirksam. Dazu kommen lange, helle Kleidung und ein Moskitonetz.
- Keine Medikamente unklarer Herkunft: Die CDC rät davon ab, Malariamittel unterwegs zu kaufen, weil Qualität und Echtheit oft nicht gesichert sind.
- Fieber nach der Reise abklären: Fieber nach einem Aufenthalt im Amazonasgebiet gehört sofort in ärztliche Hände – auch noch Monate nach der Rückkehr. Nennen Sie Ihr Reiseziel, damit gezielt ein Bluttest auf Malaria erfolgt.
Häufige Fragen zu Malaria in Brasilien und der Curavivax-Studie
Brauche ich für Rio de Janeiro oder São Paulo eine Malaria-Prophylaxe?
Nein. Die DTG stuft Rio de Janeiro, São Paulo, Brasília und weitere Großstädte als malariafrei ein. Wer von dort in die Hochrisikogebiete des Amazonasbeckens weiterreist, sollte die Vorbeugung jedoch vorab ärztlich klären.
Ändert die Curavivax-Studie etwas an der Prophylaxe für Reisende?
Nein. Curavivax hat die Behandlung einer bereits bestehenden vivax-Malaria bei Menschen im Amazonasgebiet untersucht, nicht die Vorbeugung. Die Empfehlungen zur Prophylaxe richten sich weiter nach den DTG-Empfehlungen und der individuellen Beratung.
Ist Manaus ein Hochrisikogebiet?
Das Stadtzentrum von Manaus ordnet die DTG dem geringen Risiko zu; hier wird Mückenschutz empfohlen. Teile des umliegenden Bundesstaates Amazonas gelten dagegen als Gebiete mit mittlerem oder hohem Risiko. Entscheidend ist, wohin Sie von Manaus aus weiterreisen und wo Sie übernachten.
Kann eine Malaria tertiana trotz Prophylaxe auftreten?
Ja. Die in Deutschland üblichen Prophylaxemittel verhindern nicht, dass ruhende Leberformen von P. vivax überdauern. Ein Malariaschub kann deshalb auch Wochen bis Monate nach der Reise und nach korrekt beendeter Prophylaxe auftreten.
Warum ist vor Primaquin ein G6PD-Test nötig?
Bei einem Mangel des Enzyms Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD) können Primaquin und Tafenoquin einen gefährlichen Zerfall roter Blutkörperchen auslösen. Deshalb muss der G6PD-Status vor der Gabe mit einem Labortest bestimmt werden.
Quellen
- Baía-da-Silva DC et al.: Dihydroartemisinin-piperaquine versus chloroquine for the treatment of uncomplicated Plasmodium vivax malaria with concurrent or delayed high-dose primaquine in Brazil (Curavivax). Lancet Infect Dis 2026; 26(9): 965–974, doi:10.1016/S1473-3099(26)00139-8.
- Studienregistrierung: ClinicalTrials.gov NCT03208907.
- Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG): Empfehlungen zur Malariaprävention für Reisende 2026, Flug u Reisemed 2026; 33: 165–203.
- DTG: S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Malaria, AWMF-Register 042-001, Version 8.1.
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC): CDC Yellow Book 2026, Kapitel Malaria.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Eurartesim – EPAR.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst den aktuellen Stand allgemein verständlich zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Zu Prophylaxe, Mückenschutz und dem richtigen Vorgehen bei Fieber nach einer Reise berät Sie eine reisemedizinische Fachstelle oder Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt.