
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat am 17. August 2026 ihre Behandlungsempfehlung für die unkomplizierte Malaria tropica geändert: Wird Artemether-Lumefantrin eingesetzt, soll die Therapie in den USA künftig fünf statt drei Tage dauern – zehn statt sechs Dosen. Auslöser sind Therapieversager bei Reiserückkehrern, die ausnahmslos zuvor in Afrika waren. Was hinter der Änderung steckt, wie die Lage in Deutschland ist und was das für Sie als Reisende oder Reisender in Malariagebiete Afrikas bedeutet, lesen Sie hier.

Was hat die CDC im August 2026 geändert?
Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfehlen seit August 2026, eine unkomplizierte Plasmodium-falciparum-Malaria mit einem verlängerten Schema von Artemether-Lumefantrin zu behandeln: zweimal täglich über fünf Tage, insgesamt zehn Dosen. Das bisherige Standardschema umfasste sechs Dosen über drei Tage. Die CDC formuliert die neue Empfehlung ausdrücklich für alle Patientinnen und Patienten in den USA – unabhängig davon, wo die Infektion erworben wurde, und unabhängig von weiteren Patientenmerkmalen.
Auch bei der schweren Malaria greift die Änderung: Wird nach einer intravenösen Behandlung mit Artesunat als orale Anschlusstherapie Artemether-Lumefantrin gegeben, soll ebenfalls der Fünf-Tage-Kurs verwendet werden. Artemether-Lumefantrin ist unter dem Handelsnamen Coartem bekannt, in Europa ist das Präparat als Riamet erhältlich. Es ist die einzige Artemisinin-basierte Kombinationstherapie (ACT), die in den USA verfügbar ist. Hintergrundwissen zum Wirkstoff finden Sie auf unserer Seite zu Artemether-Lumefantrin.
Die Begründung der CDC: Das verlängerte Schema erhöht die Zeit, in der die Parasiten beiden Wirkstoffen ausgesetzt sind – vor allem dem länger wirksamen Partner Lumefantrin. Dadurch soll das Risiko sinken, dass nach Ende der Behandlung überlebende Parasiten erneut eine Erkrankung auslösen.
Welche Daten stehen hinter der neuen Empfehlung?
Die fachliche Grundlage hat ein CDC-Team um Jimee Hwang am 19. August 2026 im Fachjournal Clinical Infectious Diseases veröffentlicht. Ausgewertet wurden US-Meldedaten, die Protokolle der klinischen Beratung durch die CDC und Daten zur molekularen Resistenzüberwachung. Ergänzend führte das Team eine Literaturübersicht mit Metaanalyse durch.
- 47 Therapieversager: Von November 2022 bis Oktober 2025 wurde die CDC zu 47 Fällen beraten, in denen die Behandlung einer falciparum-Malaria versagt hatte – 40 nach einer Therapie auf Basis von Artemether-Lumefantrin, sieben nach Atovaquon-Proguanil.
- Alle nach Afrika-Reisen: Sämtliche Betroffene hatten zuvor Afrika bereist. 62 Prozent kamen mit einer schweren Malaria in die Klinik.
- Späte Rückfälle: 85 Prozent der Versager nach Artemether-Lumefantrin waren späte Rekrudeszenzen, die ein bis acht Wochen nach der Erstbehandlung auftraten.
- Metaanalyse: Das gepoolte Risiko eines Therapieversagens lag für Daten ab 2018 bei sieben Prozent (95-%-Konfidenzintervall 1 bis 32 Prozent), für ältere Daten bei vier Prozent (2 bis 8 Prozent). Der Unterschied war statistisch nicht signifikant.
- Gute Verträglichkeit: Verlängerte Schemata, insbesondere der Fünf-Tage-Kurs, wurden in Studien gut vertragen und erreichten durchgehend höhere Lumefantrin-Spiegel.
Die CDC nennt zudem Faktoren, die das Risiko eines Therapieversagens erhöhen können: eine hohe Parasitendichte im Blut (über zwei Prozent), ein Körpergewicht ab 65 Kilogramm, eine Schwangerschaft, fehlende Teilimmunität sowie eine Infektion in Gebieten mit nachlassender Empfindlichkeit gegenüber Artemisinin oder Lumefantrin.
Warum ist das für Afrika-Reisende relevant?
Die WHO-Region Afrika trägt laut Weltgesundheitsorganisation rund 95 Prozent aller Malariafälle und -todesfälle weltweit. Mehr als die Hälfte der Todesfälle in der Region entfiel 2024 auf drei Länder: Nigeria (31,9 Prozent), die Demokratische Republik Kongo (11,7 Prozent) und Niger (6,1 Prozent). Für die DR Kongo stuft die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) das Risiko als ganzjährig hoch im ganzen Land einschließlich der Städte ein; mehr als 99 Prozent der Infektionen gehen dort auf P. falciparum zurück. Details zum Reiseland lesen Sie auf unserer Länderseite Malaria in der DR Kongo.
Hinzu kommt die Resistenzlage: Die WHO hat eine partielle Artemisinin-Resistenz in Eritrea, Ruanda, Uganda und Tansania bestätigt; in Äthiopien, Namibia, dem Sudan und Sambia besteht ein entsprechender Verdacht. Artemisinin-Kombinationstherapien bleiben nach Einschätzung von CDC und WHO zwar wirksam und weltweit die erste Wahl. Langsamere Parasitenabtötung und späte Rückfälle sind aber ein Warnsignal, auf das die verlängerte Therapiedauer reagiert.
Wie ist die Lage in Deutschland?
In Deutschland richtet sich die Behandlung nach der S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Malaria“ der DTG (AWMF-Register 042-001, Version 8.1, Stand April 2025). Sie nennt Artemether-Lumefantrin und Dihydroartemisinin-Piperaquin als Mittel der ersten Wahl bei unkomplizierter Malaria tropica. Die Leitlinie weist bereits auf Berichte über gehäuftes Therapieversagen bei Reiserückkehrern in mehreren europäischen Ländern hin. Bei nicht-immunen Patienten mit höherem Körpergewicht und höherer Parasitendichte kann laut Leitlinie eine Verlängerung von Artemether-Lumefantrin auf fünf Tage erwogen werden – das ist allerdings nicht durch die Zulassung gedeckt.
Der Unterschied zur neuen CDC-Empfehlung liegt also vor allem in der Reichweite: Die deutsche Leitlinie sieht die Verlängerung als Option für bestimmte Patientengruppen, die CDC empfiehlt sie seit August 2026 für alle Fälle. Ob die DTG ihre Therapieempfehlungen anpasst, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung über das Behandlungsschema trifft in jedem Fall das behandelnde ärztliche Team. Mehr zum Ablauf der Therapie lesen Sie auf unserer Seite zur Malaria-Behandlung.
Was ändert sich für die Prophylaxe – und was nicht?
Wichtig für Ihre Reiseplanung: Die CDC-Änderung betrifft ausschließlich die Behandlung einer bereits ausgebrochenen Malaria. An den Empfehlungen zur Vorbeugung ändert sie nichts. Artemisinin-Kombinationspräparate wie Artemether-Lumefantrin sind laut DTG ausschließlich für die Therapie zugelassen, nicht zur Prophylaxe.
Die Malariaprävention beruht nach den im August 2026 veröffentlichten DTG-Empfehlungen auf drei Säulen: Schutz vor Mückenstichen (Expositionsprophylaxe), medikamentöse Vorbeugung (Chemoprophylaxe) und in bestimmten Fällen die Mitnahme einer notfallmäßigen Selbstbehandlung. Für Gebiete mit hohem Risiko wie die DR Kongo empfiehlt die DTG eine Chemoprophylaxe; als zentrale Optionen nennt sie Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin (in Deutschland Off-Label) und Mefloquin. Welches Mittel für Sie infrage kommt, hängt von Reiseziel, Reiseart, Alter, Vorerkrankungen und weiteren Medikamenten ab – das klärt eine reisemedizinische Beratung, idealerweise einige Wochen vor Abreise.
Worauf sollten Sie nach der Rückkehr achten?
Die Daten der CDC zeigen: Eine Malaria kann auch nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung zurückkehren – meist innerhalb von ein bis acht Wochen. Für Reiserückkehrer ergeben sich daraus einige klare Regeln:
- Fieber ernst nehmen: Fieber nach einer Reise in ein Malariagebiet muss umgehend ärztlich abgeklärt werden – auch noch Wochen bis Monate nach der Rückkehr. Nennen Sie stets Ihr Reiseziel.
- Erneutes Fieber nach Behandlung: Tritt nach einer behandelten Malaria wieder Fieber auf, suchen Sie sofort ärztliche Hilfe. Die CDC rät allen Behandelten ausdrücklich, sich bei wiederkehrendem Fieber umgehend zu melden.
- Stationäre Überwachung: Die CDC empfiehlt, Patientinnen und Patienten mit falciparum-Malaria zunächst im Krankenhaus zu behandeln und die Parasitendichte täglich zu kontrollieren.
- Einnahme korrekt durchführen: Artemether-Lumefantrin soll laut CDC und DTG mit einer fetthaltigen Mahlzeit oder einem Milchgetränk eingenommen werden, damit der Wirkstoff ausreichend aufgenommen wird.
Typische Anzeichen einer Malaria sind Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Die Beschwerden sind unspezifisch und werden leicht mit einer Grippe verwechselt. Nur ein Bluttest bringt Klarheit.
Häufige Fragen zur neuen CDC-Empfehlung
Gilt die neue CDC-Empfehlung auch in Deutschland?
Nein, nicht unmittelbar. Die CDC-Empfehlung richtet sich an Ärztinnen und Ärzte in den USA. In Deutschland ist die S1-Leitlinie der DTG maßgeblich. Sie erlaubt bereits heute, die Therapie mit Artemether-Lumefantrin bei bestimmten nicht-immunen Patienten auf fünf Tage zu verlängern. Über das Schema entscheidet das behandelnde Team.
Muss ich zur Vorbeugung jetzt Artemether-Lumefantrin nehmen?
Nein. Artemether-Lumefantrin ist ein Medikament zur Behandlung, nicht zur Vorbeugung. Die Empfehlungen zur Chemoprophylaxe sind von der CDC-Änderung nicht betroffen. Welche Prophylaxe für Ihre Reise sinnvoll ist, besprechen Sie in einer reisemedizinischen Beratung.
Warum treten die Rückfälle so spät auf?
Artemether senkt die Parasitenzahl sehr schnell, wird aber rasch abgebaut. Die Restparasiten muss der länger wirksame Partner Lumefantrin beseitigen. Ist dessen Spiegel zu niedrig oder sind die Parasiten weniger empfindlich, können einzelne Erreger überleben und sich nach Wochen erneut vermehren. In der CDC-Auswertung traten 85 Prozent der Versager nach Artemether-Lumefantrin ein bis acht Wochen nach der Behandlung auf.
Betrifft das nur Reisende in die DR Kongo?
Nein. Alle 47 von der CDC ausgewerteten Therapieversager waren in Afrika gewesen; die Empfehlung gilt aber unabhängig vom Infektionsort für alle falciparum-Malaria-Fälle in den USA. Die DR Kongo ist ein Beispiel für ein Reiseland mit landesweit hohem Risiko.
Sind Artemether-Lumefantrin, Coartem und Riamet dasselbe?
Ja. Artemether-Lumefantrin ist die Wirkstoffkombination, Coartem und Riamet sind Handelsnamen desselben Präparats. In Europa ist Riamet gebräuchlich.
Quellen
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Clinical Guidance: Treatment of Uncomplicated Malaria (aktualisiert am 17. August 2026).
- CDC: Clinical Guidance: Treatment of Severe Malaria (aktualisiert am 17. August 2026).
- Hwang J et al.: Extending the Duration of Artemether-Lumefantrine Treatment for Uncomplicated Plasmodium falciparum Malaria. Clinical Infectious Diseases, online 19. August 2026, doi:10.1093/cid/ciag456.
- Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG): S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Malaria, AWMF-Register 042-001, Version 8.1.
- DTG: Empfehlungen zur Malariaprävention für Reisende 2026, Flug u Reisemed 2026; 33: 165–203.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Fact sheet Malaria.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst den aktuellen Stand allgemein verständlich zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Zu Prophylaxe, Mückenschutz und dem richtigen Vorgehen bei Fieber nach einer Reise berät Sie eine reisemedizinische Fachstelle oder Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt.