Seit 2021 gibt es erstmals von der WHO empfohlene Malaria-Impfstoffe: RTS,S/AS01 und R21/Matrix-M. Beide schützen jedoch nur Kinder in afrikanischen Endemiegebieten teilweise vor Plasmodium falciparum. Für Reisende und Erwachsene gibt es bis heute keine zugelassene Malaria-Impfung – hier bleiben Mückenschutz und Chemoprophylaxe unverzichtbar.
| Zugelassene Impfstoffe | RTS,S/AS01 (Mosquirix, GSK) & R21/Matrix-M (Oxford/Serum Institute of India) |
|---|---|
| WHO-Empfehlung | RTS,S: Oktober 2021 · R21: Oktober 2023 |
| Zielgruppe | Kinder ab ca. 5 Monaten in Endemiegebieten mit mittlerer bis hoher Übertragung |
| Wirksamkeit | partiell (R21 unter Studienbedingungen bis ~75 %, real niedriger; RTS,S geringer) |
| Reiseschutz? | Nein – keine Zulassung für Reisende/Erwachsene |
| Erreger | Plasmodium falciparum (gefährlichste Malaria-Form) |
Gibt es eine Impfung gegen Malaria?
Ja – seit 2021 gibt es erstmals Malaria-Impfstoffe mit einer offiziellen Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zugelassen und empfohlen sind zwei Präparate: RTS,S/AS01 (Handelsname Mosquirix, entwickelt von GSK) sowie R21/Matrix-M (entwickelt an der Universität Oxford, produziert vom Serum Institute of India). Die WHO empfahl RTS,S im Oktober 2021 und R21 im Oktober 2023. Beide richten sich gegen Plasmodium falciparum, den Erreger der gefährlichsten und in Afrika häufigsten Malaria-Form.
Wichtig ist dabei das Kleingedruckte: Diese Impfstoffe sind ausschließlich für Kinder in Endemiegebieten gedacht und werden im Rahmen nationaler Impfprogramme in Afrika eingesetzt. Sie sind ein Meilenstein in der öffentlichen Gesundheit – nach jahrzehntelanger Forschung sind es die ersten Impfstoffe überhaupt gegen einen menschlichen Parasiten. Für die klassische Malaria-Vorbeugung von Urlaubern und Geschäftsreisenden ändert sich dadurch jedoch nichts.
Wie wirken RTS,S und R21?
Beide Impfstoffe wirken im selben frühen Stadium des Parasiten: Sie zielen auf das sogenannte Circumsporozoiten-Protein (CSP), das die Oberfläche der Sporozoiten bedeckt – jener Parasitenform, die die Mücke beim Stich in den Menschen überträgt. Die Impfung bildet Antikörper, die diese Sporozoiten abfangen sollen, bevor sie die Leber erreichen und sich dort vermehren. RTS,S und R21 sind daher sogenannte Prä-Erythrozytäre-Impfstoffe: Sie sollen die Infektion stoppen, bevor Symptome entstehen. Mehr zum Lebenszyklus finden Sie unter Malaria-Erreger.
Der Schutz ist allerdings nur partiell. In den entscheidenden Phase-3-Studien reduzierte R21/Matrix-M die Malaria-Fälle im ersten Jahr in saisonalen Settings unter Studienbedingungen um bis zu rund 75 %; im Alltag außerhalb der Studie fällt die Wirksamkeit niedriger aus und lässt mit der Zeit nach. RTS,S erreicht in der Routineanwendung geringere Werte. Beide Impfstoffe benötigen mehrere Dosen – typischerweise ein Schema aus vier Impfungen, beginnend ab etwa fünf Monaten mit einer Auffrischung nach rund einem Jahr. Entscheidend: Die Impfung ergänzt die bewährten Maßnahmen wie imprägnierte Moskitonetze und saisonale Chemoprävention, sie ersetzt sie ausdrücklich nicht.
Wer bekommt die Malaria-Impfung?
Die Impfung richtet sich an Kleinkinder in afrikanischen Regionen mit mittlerer bis hoher Malaria-Übertragung. Sie ist Teil der nationalen Kinder-Impfprogramme und wird nicht individuell auf Wunsch verabreicht. Pilotländer waren Ghana, Kenia und Malawi, die RTS,S ab 2019 im Rahmen des WHO-Programms erprobten und den Impfstoff inzwischen in die Routine-Impfungen übernommen haben.
Seit 2024 läuft ein breiterer Rollout: Nach WHO-Angaben boten Ende 2024 bereits 17 Länder in Afrika – die zusammen rund 70 % der weltweiten Malaria-Last tragen – die Impfung regional an. Allein 2024 führten 14 Länder die Impfstoffe erstmals ein, darunter Kamerun, Burkina Faso, Sierra Leone, Benin, Elfenbeinküste, Mosambik, Niger, die Demokratische Republik Kongo, der Sudan und Nigeria. Getragen wird die Beschaffung von der Impfallianz Gavi gemeinsam mit UNICEF und der WHO. Ziel ist es, jedes Jahr Zehntausende Kinderleben zu retten. Wo genau Malaria vorkommt, zeigt die Übersicht der Malaria-Risikogebiete.
Schützt die Malaria-Impfung Reisende?
Nein. Das ist die wichtigste Botschaft dieser Seite: Für Reisende, Touristen und Erwachsene gibt es keine zugelassene Malaria-Impfung. RTS,S und R21 wurden ausschließlich für den Einsatz bei Kindern in Endemiegebieten geprüft und empfohlen. Sie sind weder auf die Immunlage von Erwachsenen aus nicht-endemischen Ländern noch auf kurze Reisezeiträume ausgelegt, und ihr nur partieller, nachlassender Schutz wäre für die Reisevorsorge ohnehin unzureichend.
Auch das Robert Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) stellen klar: Eine Schutzimpfung gegen Malaria steht für Reisende nicht zur Verfügung. Wer in ein Risikogebiet reist, verlässt sich deshalb weiterhin auf zwei Säulen – die Expositionsprophylaxe (konsequenter Mückenschutz: imprägnierte Moskitonetze, mückensichere Räume, lange Kleidung, Repellentien gegen die nachtaktive Anopheles-Mücke) und die Chemoprophylaxe mit geeigneten Prophylaxe-Medikamenten. Details dazu bündelt unser Ratgeber zur Malaria-Vorbeugung. Kommt es trotzdem zu Fieber, ist rasches Handeln entscheidend – siehe die Symptome einer Malaria.
Warum ist eine Malaria-Impfung so schwierig?
Dass es erst 2021 einen empfohlenen Impfstoff gab, liegt an der Biologie des Erregers. Malaria wird nicht von einem Virus oder Bakterium verursacht, sondern von einem komplexen einzelligen Parasiten. Das Genom von Plasmodium falciparum umfasst rund 5.000 Gene – ein Vielfaches eines Virus – und der Parasit durchläuft mehrere sehr unterschiedliche Lebensstadien im Menschen und in der Mücke. In jedem Stadium präsentiert er andere Oberflächenproteine, sodass das Immunsystem kein einzelnes, stabiles Ziel findet.
Hinzu kommt eine ausgeprägte Immunevasion: Viele der wichtigsten Zielantigene sind hochgradig veränderlich (polymorph). Schlüsselproteine wie AMA1 existieren in Hunderten von Varianten, und der Parasit lenkt die Antikörperantwort gezielt auf wenig funktionale, sich wiederholende Proteinabschnitte – eine Art Täuschung, die die Abwehr ins Leere laufen lässt. Selbst eine durchgemachte Infektion hinterlässt keine dauerhafte, vollständige Immunität. Deshalb erreichen auch die neuen Impfstoffe nur einen teilweisen Schutz, der mehrere Dosen und Auffrischungen erfordert.
Was bedeutet die Impfung für die Zukunft?
Trotz der Grenzen sind RTS,S und R21 ein historischer Durchbruch: Sie zeigen, dass ein Impfschutz gegen Malaria grundsätzlich möglich ist, und retten im Zusammenspiel mit Netzen und Medikamenten bereits messbar Kinderleben. Der breite Rollout in Afrika seit 2024 dürfte die Krankheitslast in den kommenden Jahren spürbar senken – vorausgesetzt, Produktion und Finanzierung halten mit dem enormen Bedarf Schritt.
Die Forschung arbeitet parallel an der nächsten Generation. Vielversprechend sind mRNA- und selbstamplifizierende RNA-Impfstoffe, die – nach dem Vorbild der COVID-19-Impfstoffe – verschiedene Parasitenstadien gleichzeitig adressieren könnten. Untersucht werden außerdem transmissionsblockierende Impfstoffe, die den Parasiten bereits in der Mücke stoppen, sowie monoklonale Antikörper zur vorübergehenden Prophylaxe. Für Reisende bleibt jedoch bis auf Weiteres die Kombination aus Mückenschutz und Chemoprophylaxe der einzige verlässliche Schutz. Und noch eine Klarstellung: Die Malaria-Impfung ist keine klassische Reiseimpfung und darf nicht mit Impfungen gegen Gelbfieber, Typhus oder Hepatitis verwechselt werden.
Häufige Fragen zur Malaria-Impfung
Kann ich mich als Tourist gegen Malaria impfen lassen?
Nein. Für Reisende und Erwachsene gibt es keine zugelassene Malaria-Impfung. Die Impfstoffe RTS,S und R21 sind ausschließlich für Kinder in afrikanischen Endemiegebieten vorgesehen. Für die Reisevorsorge bleiben Mückenschutz und – je nach Gebiet – eine Chemoprophylaxe entscheidend.
Wie gut wirkt die Malaria-Impfung?
Der Schutz ist nur partiell. R21/Matrix-M erreichte in saisonalen Studien-Settings bis zu rund 75 % Wirksamkeit im ersten Jahr, RTS,S weniger; in der Routineanwendung sind die Werte niedriger und lassen mit der Zeit nach. Deshalb sind mehrere Dosen nötig, und die Impfung ergänzt weiterhin andere Schutzmaßnahmen.
Gegen welche Malaria-Form schützt die Impfung?
Beide Impfstoffe richten sich gegen Plasmodium falciparum, den Erreger der gefährlichsten Malaria tropica. Gegen andere Formen wie Plasmodium vivax bieten sie keinen Schutz.
Ist die Malaria-Impfung eine Reiseimpfung wie Gelbfieber?
Nein. Die Malaria-Impfung ist ein Instrument der Kindergesundheit in Endemieländern und keine Reiseimpfung. Sie wird nicht bei reisemedizinischen Beratungen verabreicht und ist nicht mit Gelbfieber-, Typhus- oder Hepatitis-Impfungen zu verwechseln.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder reisemedizinische Beratung. Lassen Sie sich vor Reisen in Malariagebiete individuell in einer reisemedizinischen Sprechstunde beraten.