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Importierte Malaria: Warum die Fälle in Deutschland im Sommer steigen

Malaria ist in Deutschland eine reine Reisekrankheit – und die meisten Fälle treten im Sommer auf. In der Hauptreisezeit von Juli bis September werden Jahr für Jahr die meisten Erkrankungen bei Rückkehrern registriert, ganz überwiegend nach Aufenthalten in Afrika. 2023 meldete das Robert Koch-Institut 985 Malaria-Fälle, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, sollte Fieber deshalb nie auf die leichte Schulter nehmen.

ThemaImportierte Malaria bei Reiserückkehrern in Deutschland
Fälle 2023 (RKI)985 gemeldete Fälle, +28 % gegenüber 2022
Häufigster ErregerPlasmodium falciparum – 84 % (748 von 886 mit Speziesangabe)
HauptinfektionsregionAfrika, vor allem Westafrika (Regenzeit)
SaisongipfelJuli bis September (Sommerreisen); wenigste Fälle im März
Wichtigste RegelFieber nach Tropenreise ist immer ein Notfall

Malaria in Deutschland – eine reine Reisekrankheit

In Deutschland gibt es keine natürliche Malariaübertragung – nahezu alle hierzulande diagnostizierten Fälle wurden auf Reisen erworben. Für das Jahr 2023 meldete das Robert Koch-Institut (RKI) im Epidemiologischen Bulletin insgesamt 985 Malaria-Fälle, ein Anstieg um 28 Prozent gegenüber 2022. Der Zuwachs erklärt sich zum Teil aus der Erholung des Reiseverkehrs nach der Corona-Pandemie und zum Teil aus einer geänderten Meldepflicht, die mehr Fälle in die Statistik bringt.

Bemerkenswert ist die Verteilung der Erreger: Unter den Fällen mit Speziesangabe entfielen 84 Prozent (748 von 886) auf Plasmodium falciparum, den Auslöser der gefährlichsten Verlaufsform, der Malaria tropica. Genau diese Form kann unbehandelt innerhalb weniger Tage lebensbedrohlich werden – der Hauptgrund, warum importierte Malaria trotz guter Behandelbarkeit ernst genommen werden muss.

Warum steigen die Zahlen im Sommer?

Die Fälle verteilen sich nicht gleichmäßig über das Jahr. Im Jahresverlauf 2023 wurden die wenigsten Erkrankungen im März registriert (38 Fälle), die meisten dagegen in den Sommermonaten Juli bis September mit jeweils über 100 Fällen. Dieses Muster wiederholt sich Jahr für Jahr und hat zwei Ursachen, die zusammenfallen.

Zum einen ist der Sommer die Hauptreisezeit: Viele Menschen besuchen in den Ferien Familie und Freunde in ihren Herkunftsländern oder unternehmen Fernreisen. Zum anderen herrscht in weiten Teilen Westafrikas im nördlichen Sommer Regenzeit – und damit ein besonders hohes Übertragungsrisiko, weil sich die Anopheles-Mücken in dieser Phase stark vermehren. Wer in diesen Wochen in ein Risikogebiet reist, trifft also auf die ungünstigste Kombination aus vielen Mücken und hoher Erregerdichte.

Woher stammen die Infektionen?

Wie schon in den Vorjahren hatte sich der weitaus größte Teil der Erkrankten in einem afrikanischen Land infiziert. Das deckt sich mit dem weltweiten Bild, denn Afrika südlich der Sahara trägt rund 90 Prozent der globalen Malarialast. Auch europaweit zeigt sich dasselbe Muster: Nach Daten der EU-Gesundheitsbehörde ECDC wurden in den vergangenen zehn Jahren über 70.000 Malaria-Fälle in Europa gemeldet, von denen fast alle (99,8 Prozent) importiert waren – mit einem klaren Höchststand vor der Pandemie und wiederkehrenden Sommergipfeln.

Für Reisende heißt das: Entscheidend ist das konkrete Ziel. Welche Länder und Regionen betroffen sind, zeigt unsere Übersicht der Malaria-Risikogebiete mit dem Schwerpunkt Malaria in Afrika. Gerade beliebte westafrikanische Reiseziele wie Gambia oder Ghana gehören zu den Hochrisikogebieten, in denen eine medikamentöse Vorbeugung meist empfohlen wird.

Was Reiserückkehrer beachten sollten

Die wichtigste Botschaft lautet: Fieber nach einer Tropenreise ist immer ein medizinischer Notfall, bis das Gegenteil bewiesen ist. Eine Malaria tropica kann sich noch Wochen bis Monate nach der Rückkehr zeigen und rasch verschlechtern. Wer nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet Fieber, Schüttelfrost, Kopf- oder Gliederschmerzen entwickelt, sollte deshalb umgehend ärztliche Hilfe suchen und aktiv auf die Reise hinweisen – auch dann, wenn seit der Rückkehr schon einige Zeit vergangen ist.

Nur so kann gezielt auf Malaria getestet werden. Die Diagnose gelingt zuverlässig über die Untersuchung des Blutes; Standard ist bis heute der sogenannte „Dicke Tropfen“ zusammen mit dem Blutausstrich. Wie die Erkennung im Detail abläuft und welche Warnzeichen auf einen schweren Verlauf hindeuten, erklären unsere Seiten zur Malaria-Diagnose und zu den Symptomen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten.

Vorbeugen ist der beste Schutz

So beunruhigend die Zahlen klingen: Importierte Malaria ist weitgehend vermeidbar. Der Schutz ruht auf zwei Säulen. Erstens der konsequente Mückenschutz – Mittel mit DEET oder Icaridin, lange Kleidung in der Dämmerung und imprägnierte Moskitonetze. Zweitens, je nach Ziel, eine medikamentöse Vorbeugung. Welches Mittel infrage kommt, erläutert der Vergleich der Malariaprophylaxe-Medikamente, die Grundlagen bündelt die Seite zur Malaria-Vorbeugung.

Fachgesellschaften empfehlen, mehrere Wochen vor Abreise eine reisemedizinische Beratung wahrzunehmen. Dort wird individuell geklärt, ob für die geplante Route eine durchgehende Prophylaxe, ein Standby-Notfallmedikament oder allein der Mückenschutz sinnvoll ist. Gerade wer Verwandte im Herkunftsland besucht, unterschätzt das Risiko häufig – dabei zählt diese Gruppe zu den am stärksten betroffenen.

Häufige Fragen

Kann man sich in Deutschland mit Malaria anstecken?

Nein, eine natürliche Übertragung gibt es in Deutschland nicht. Nahezu alle Fälle sind importiert, das heißt auf Reisen in tropische oder subtropische Risikogebiete erworben. In sehr seltenen Ausnahmen kann eine Ansteckung über Blutkonserven oder eine mitgereiste infizierte Mücke erfolgen.

Wie lange nach der Reise kann Malaria noch ausbrechen?

Eine Malaria tropica bricht meist innerhalb weniger Wochen aus, kann sich aber noch Monate nach der Rückkehr zeigen. Bei anderen Formen sind sogar Rückfälle nach längerer Zeit möglich. Deshalb gilt: Fieber nach einer Tropenreise immer ärztlich abklären und die Reise erwähnen.

Warum sind gerade die Sommermonate betroffen?

Im Sommer fällt die Hauptreisezeit mit der Regenzeit in weiten Teilen Westafrikas zusammen, in der besonders viele Mücken unterwegs sind. Beides zusammen erhöht das Übertragungsrisiko und damit die Zahl der importierten Fälle in den Monaten Juli bis September.

Quellen

  • Robert Koch-Institut (RKI): Epidemiologisches Bulletin 45/2024, Bericht zu importierten Infektionskrankheiten (Malaria-Zahlen 2023).
  • Deutsches Ärzteblatt: Meldung zum RKI-Bericht über importierte Infektionskrankheiten, November 2024.
  • Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC): Überwachungsdaten zu reiseassoziierter Malaria in der EU/EWR.

Hinweis: Dieser Beitrag fasst den aktuellen Stand allgemein verständlich zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Zu Prophylaxe, Mückenschutz und dem richtigen Vorgehen bei Fieber nach einer Reise berät Sie eine reisemedizinische Fachstelle oder Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt.