Nach einer außergewöhnlich starken Regenzeit und schweren Überschwemmungen melden mehrere Länder im südlichen und östlichen Afrika 2026 einen deutlichen Malaria-Anstieg. In Namibia wurden bis zum Frühjahr rund 28.000 Fälle registriert, Mosambik zählte in den ersten Wochen des Jahres über 1,3 Millionen gemeldete Fälle (plus 55 % gegenüber dem Vorjahr), und in Äthiopien hält der Ausbruch mit Millionen Fällen an. Reisende sollten gerade in und nach der Regenzeit konsequent auf Mückenschutz und Prophylaxe achten.
Extremwetter treibt die Malaria-Zahlen nach oben
Das Jahr 2026 zeigt in aller Deutlichkeit, wie eng Klima, Wetter und Malaria zusammenhängen. Ein ausgeprägtes El-Niño-Muster brachte im südlichen Afrika zu Jahresbeginn ungewöhnlich heftige Niederschläge; in einigen Gebieten fiel innerhalb weniger Tage so viel Regen wie sonst in einem ganzen Jahr. Die Folge waren großflächige Überschwemmungen, zerstörte Infrastruktur und Zehntausende Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten. Für die Überträgermücke der Gattung Anopheles sind solche Bedingungen ideal: Jede Pfütze, jedes stehende Gewässer und jedes vollgelaufene Feld wird zum potenziellen Brutplatz.
Hinzu kommt, dass Wärme und Feuchtigkeit die Entwicklung von Mücke und Parasit beschleunigen und die Übertragungssaison verlängern. Der Anstieg der Erkrankungen setzt dabei meist mit einer gewissen Verzögerung ein – oft erst einige Wochen nach den stärksten Regenfällen, wenn die Mückenpopulation ihren Höhepunkt erreicht. Genau dieser Nachlauf macht die Lage für Reisende tückisch: Wer in der vermeintlich abklingenden Regenzeit unterwegs ist, trifft mitunter auf die höchste Übertragungsdichte des Jahres.
Namibia: Ausbruch in der beliebten Safariregion Sambesi
Besonders im Fokus steht Namibia. Schon in den ersten vier Wochen des Jahres 2026 zählten die Behörden rund 8.760 Malariafälle – ein Anstieg um etwa 68 % gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025. Bis Mitte April summierten sich die Zahlen auf rund 28.000 Fälle. Ein Großteil entfällt auf den Nordosten des Landes: Allein in der Sambesi-Region (Zambezi) wurden von Januar bis Ende März über 10.000 bestätigte Erkrankungen und mehrere Todesfälle registriert.
Das ist deshalb heikel, weil die Sambesi-Region bei internationalen Gästen als Safari- und Rundreiseziel sehr beliebt ist. Die namibische Regierung hat auf den Ausbruch reagiert: Ein nationaler Notfallausschuss wurde einberufen, ein Reaktionsplan aufgesetzt, die Überwachung verschärft sowie das Sprühen in Innenräumen und die Verteilung imprägnierter Moskitonetze intensiviert. Fachleute nennen als Ursachen die überschwemmungsbedingt vielen Brutgewässer, Lücken beim Mückenschutz und grenzüberschreitende Mobilität mit den Nachbarländern Angola, Sambia und Botswana.
Mosambik: über 1,3 Millionen Fälle in wenigen Wochen
Noch drastischer fallen die absoluten Zahlen in Mosambik aus. In den ersten sechs Wochen des Jahres 2026 meldete das Land mehr als 1,3 Millionen Malariafälle und Dutzende Todesfälle – ein Zuwachs von rund 55 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Ausbruch fällt mit der Hauptregenzeit und schweren Januar-Überschwemmungen zusammen, von denen Hunderttausende Menschen betroffen waren.
Zwei Faktoren verstärken sich hier gegenseitig: Zum einen schaffen die anhaltenden Regenfälle optimale Brutbedingungen für die Anopheles-Mücke. Zum anderen mussten viele Menschen wegen der Fluten in provisorische Notunterkünfte ausweichen, in denen gefährdete Bevölkerungsgruppen auf engem Raum zusammenkommen – ein zusätzlicher Treiber der Übertragung. Die Gesundheitsbehörden haben daraufhin die Verteilung imprägnierter Netze und die Vektorkontrolle vor allem in den südlichen Provinzen ausgeweitet.
Äthiopien: anhaltender Ausbruch im Osten des Kontinents
Auch im östlichen Afrika bleibt die Lage angespannt. Äthiopien durchlebt seit 2024 seinen schwersten Malaria-Ausbruch seit Jahren, der sich 2026 fortsetzt und weiterhin Millionen Erkrankungen umfasst. Zu den am stärksten betroffenen Regionen zählen der Westen des Landes sowie die Region Gambela, wo sich in den vergangenen Jahren die Fallzahlen in überfüllten Flüchtlingslagern teils dramatisch erhöhten.
Als Ursachen gelten ein Zusammenspiel aus klimatischen Anomalien und Extremwetter, der Ausbreitung der besonders anpassungsfähigen Mückenart Anopheles stephensi, Insektizidresistenzen sowie einem durch Konflikte und Vertreibung geschwächten Gesundheitssystem. Die WHO stuft das nationale Risiko in Äthiopien als hoch ein. Damit steht das Land exemplarisch dafür, dass Extremwetter die Malaria-Übertragung nicht nur im südlichen, sondern auch im östlichen Afrika befeuert.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
| Land | Gemeldete Fälle 2026 | Besonderheit |
|---|---|---|
| Namibia | rund 28.000 (bis Frühjahr) | Schwerpunkt Sambesi-Region, +68 % im Januar |
| Mosambik | über 1,3 Millionen (erste 6 Wochen) | +55 % ggü. Vorjahr, Fluten im Januar |
| Äthiopien | Millionen (fortlaufend) | Ausbruch seit 2024, Schwerpunkt u. a. Gambela |
Was das für Reisende bedeutet
Für Urlauberinnen und Urlauber ist die Botschaft eindeutig: In Regen- und Nachregenzeit steigt das Malariarisiko in den betroffenen Regionen deutlich an. Wer eine Reise in das südliche oder östliche Afrika plant, sollte die beste Reisezeit nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Wetter und Tierbeobachtung, sondern auch mit Blick auf die Übertragungssaison wählen. Reisen unmittelbar während oder kurz nach der Regenzeit fallen häufig mit der höchsten Mückendichte zusammen.
Umso wichtiger ist ein konsequenter Schutz. Dazu gehört zuverlässige Vorbeugung mit körperbedeckender heller Kleidung, Repellentien auf freien Hautstellen, imprägnierten Moskitonetzen über dem Bett und – je nach Reiseziel und ärztlicher Beratung – einer medikamentösen Malariaprophylaxe. Da die Anopheles-Mücke vor allem in der Dämmerung und nachts sticht, ist der Schutz in diesen Stunden besonders entscheidend.
Vor jeder Reise empfiehlt sich ein Blick auf die aktuelle Einschätzung der jeweiligen Risikogebiete und ein reisemedizinisches Beratungsgespräch, idealerweise mehrere Wochen vor Abflug. Wichtig ist außerdem: Fieber, Schüttelfrost oder grippeähnliche Beschwerden können noch Wochen bis Monate nach der Rückkehr auf eine Malaria hindeuten. In diesem Fall gilt es, umgehend ärztliche Hilfe zu suchen und die Reise in ein Malariagebiet aktiv zu erwähnen, denn eine früh erkannte Malaria ist in aller Regel gut behandelbar.
Häufige Fragen
Warum steigen die Malariazahlen 2026 gerade jetzt so stark?
Ergiebige Regenfälle und Überschwemmungen im südlichen und östlichen Afrika haben unzählige neue Brutgewässer für die Anopheles-Mücke geschaffen. Wärme und Feuchtigkeit beschleunigen zusätzlich die Vermehrung, sodass die Übertragung oft mit einigen Wochen Verzögerung nach der Regenzeit sprunghaft ansteigt.
Welche Länder sind besonders betroffen?
Vor allem Namibia mit einem Schwerpunkt in der Sambesi-Region, Mosambik mit über 1,3 Millionen Fällen in wenigen Wochen sowie Äthiopien mit einem seit 2024 anhaltenden Ausbruch.
Kann ich trotzdem eine Safari oder Rundreise machen?
Ja, mit der richtigen Vorbereitung. Entscheidend sind konsequenter Mückenschutz, gegebenenfalls eine Malariaprophylaxe und eine bewusste Wahl der Reisezeit. Eine reisemedizinische Beratung einige Wochen vor Abreise ist dringend zu empfehlen.
Woran erkenne ich eine Malaria nach der Rückkehr?
Typisch sind Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie grippeähnliche Beschwerden. Diese können noch Wochen bis Monate nach der Reise auftreten. Bei solchen Symptomen sollten Sie sofort ärztliche Hilfe suchen und den Aufenthalt in einem Malariagebiet erwähnen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Fallzahlen und Einschätzungen können sich kurzfristig ändern. Datengrundlage: aktuelle Krankheitsmeldungen des Tropeninstituts (tropeninstitut.de, Meldungen zu Namibia und Mosambik 2026), Lageeinschätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie Berichte von Africa CDC und Ärzte ohne Grenzen. Stand der Angaben: erstes Halbjahr 2026.