Der Rollout der Malaria-Impfstoffe ist in Afrika endgültig zur Realität geworden: Bis Ende 2024 hatten rund 17 endemische Länder eine der beiden von der WHO empfohlenen Impfungen – RTS,S/AS01 (Mosquirix) und R21/Matrix-M – in ihr reguläres Kinderimpfprogramm aufgenommen, 2025 kamen weitere Staaten hinzu. Millionen Kinder wurden bereits erreicht. Wichtig für Reisende: Diese Impfung schützt Kinder in Hochrisikogebieten, sie ist kein Ersatz für Mückenschutz und Chemoprophylaxe auf Fernreisen.
Vom Pilotprojekt zum Routineprogramm in fast 20 Ländern
Was 2019 als vorsichtiges Pilotprojekt in Ghana, Kenia und Malawi begann, hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem der größten Impf-Rollouts der jüngeren Public-Health-Geschichte entwickelt. In diesen drei Pionierländern wurden zwischen 2019 und 2023 über zwei Millionen Kinder mit dem Impfstoff RTS,S erreicht – genug, um belastbare Daten über Sicherheit, Machbarkeit und tatsächliche Wirkung im Alltag zu gewinnen.
Auf Basis dieser Erfahrung ging es 2024 in die Breite. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation boten bis Ende 2024 rund 17 endemische Länder eine Malaria-Impfung im nationalen Routineprogramm an. Allein vierzehn Länder führten sie 2024 zum ersten Mal ein, darunter Kamerun, Burkina Faso, Sierra Leone, Benin, Liberia, die Elfenbeinküste, der Südsudan, Mosambik, Niger, Tschad, die Demokratische Republik Kongo, der Sudan und Nigeria. Die Elfenbeinküste schrieb dabei Geschichte: Sie war im Juli 2024 das erste Land überhaupt, das den neuen Impfstoff R21/Matrix-M ausrollte.
2025 nahm die Dynamik weiter zu. Uganda startete am 7. März 2025 mit rund 2,3 Millionen Dosen R21 in 105 Distrikten den bis dahin größten Rollout des Kontinents. Weitere Länder wie Sambia und Burundi zogen nach. Insgesamt bieten inzwischen etwa 25 afrikanische Länder die Malaria-Impfung im Kinderprogramm an, und die Impfstoff-Allianz Gavi will zwischen 2026 und 2030 mindestens 50 Millionen Kinder erreichen. Mehr Hintergrund zur Malaria-Impfung und zum verursachenden Malaria-Erreger finden Sie in unseren Ratgebern.
Zwei Impfstoffe: RTS,S und der günstigere R21/Matrix-M
Zwei Präparate stehen zur Verfügung. RTS,S/AS01, entwickelt über Jahrzehnte unter Federführung von GSK und PATH, wurde im Oktober 2021 als weltweit erster Malaria-Impfstoff von der WHO empfohlen. Zwei Jahre später, im Oktober 2023, folgte die Empfehlung für R21/Matrix-M der Universität Oxford und des Serum Institute of India; die WHO-Präqualifizierung kam im Dezember 2023.
Der entscheidende Vorteil von R21 liegt in Preis und Menge. Das Serum Institute of India, der weltweit größte Impfstoffhersteller, hat eine Kapazität von rund 100 Millionen Dosen pro Jahr aufgebaut, die in den kommenden Jahren verdoppelt werden soll. Zugleich sinkt der Preis: Nach einer Einigung von Gavi und UNICEF im November 2025 fällt er von 3,90 auf 2,99 US-Dollar je Dosis. Diese Kombination aus hoher Verfügbarkeit und niedrigem Preis macht R21 zum Arbeitspferd des Rollouts, während RTS,S parallel weiter verimpft wird.
| Merkmal | RTS,S/AS01 (Mosquirix) | R21/Matrix-M |
|---|---|---|
| WHO-Empfehlung | Oktober 2021 | Oktober 2023 |
| Entwickler | GSK / PATH | Oxford / Serum Institute of India |
| Wirksamkeit (12 Monate) | partiell | bis ~75 % bei saisonaler Übertragung |
| Preis je Dosis (ab 2026) | höher | 2,99 US-Dollar |
| Jahreskapazität | begrenzt | ~100 Mio. Dosen, steigend |
Wie gut wirken die Impfstoffe wirklich?
Die Schutzwirkung ist real, aber partiell. In der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie mit 4.800 Kindern in Burkina Faso, Kenia, Mali und Tansania erreichte R21/Matrix-M über zwölf Monate eine Wirksamkeit von etwa 75 Prozent an Orten mit stark saisonaler Übertragung und rund 68 Prozent bei ganzjähriger Übertragung. Kein Impfstoff verhindert also jede Infektion – die Impfung reduziert vor allem schwere Verläufe deutlich.
Noch überzeugender sind die Daten aus dem echten Programmbetrieb. Die Auswertung des RTS,S-Pilotprogramms in Ghana, Kenia und Malawi zeigte einen Rückgang der Sterblichkeit um 13 Prozent unter den impfberechtigten Kindern sowie einen Rückgang schwerer, im Krankenhaus behandelter Malaria um 22 Prozent. In der Praxis bedeutet das: Etwa jeder achte Todesfall in dieser Altersgruppe wurde verhindert. Bei einer Krankheit, die weltweit weiterhin überwiegend Kinder unter fünf Jahren in Afrika trifft, ist das ein historischer Fortschritt. Zusammen mit Moskitonetzen, Innenraumsprühungen und guter Behandlung wird die Impfung so zu einem weiteren Baustein der Vorbeugung.
Wichtige Klarstellung: kein Reiseschutz für Urlauber
So bedeutsam der Rollout ist – für Reisende ändert er nichts. Die Impfung ist ausschließlich für Kinder in Endemiegebieten konzipiert und wird dort in mehreren Dosen ab dem Säuglingsalter verabreicht. Sie ist weder für Erwachsene noch für Touristen zugelassen und bietet keinen ausreichenden, kurzfristig aufbaubaren Schutz für eine einzelne Fernreise.
Wer in ein Risikogebiet reist, muss sich deshalb weiterhin auf die bewährten Säulen verlassen: konsequenter Mückenschutz mit Repellents, langer Kleidung und imprägnierten Moskitonetzen sowie, je nach Region und Aufenthalt, eine ärztlich verordnete Chemoprophylaxe. Welche Prophylaxe-Medikamente im Einzelfall sinnvoll sind, hängt vom Reiseziel, der Reisedauer und individuellen Faktoren ab und sollte rechtzeitig reisemedizinisch geklärt werden.
Ausblick
Der Fortschritt bleibt an Finanzierung gebunden. Gavi, UNICEF und WHO wollen bis 2030 mindestens 50 Millionen Kinder impfen; die jüngste Preissenkung soll allein Millionen zusätzlicher Dosen freisetzen. Ob dieses Ziel erreicht wird, hängt von stabilen Budgets, funktionierenden Lieferketten und der Bereitschaft der Geberländer ab. Klar ist aber: Erstmals steht der Menschheit ein bezahlbares, breit verfügbares Impfwerkzeug gegen eine ihrer ältesten Geißeln zur Verfügung – und die ersten realen Wirkungsdaten belegen, dass es Leben rettet.
Quellen: Weltgesundheitsorganisation (WHO), „Life-saving malaria vaccines reach children in 17 endemic countries in 2024“ sowie WHO-Fragen & Antworten zu RTS,S und R21 (2024/2025); Universität Oxford, Mitteilungen zur WHO-Empfehlung für R21/Matrix-M (Oktober 2023) und zum Rollout in der Elfenbeinküste (Juli 2024); The Lancet, Phase-III-Studie zu R21/Matrix-M (2024) und Auswertung des RTS,S-Pilotprogramms in Ghana, Kenia und Malawi; Gavi & UNICEF, Pressemitteilungen zu Impfstoff-Allokation, Preissenkung (November 2025) und Fortschritt des Rollouts. Angaben nach bestem Stand 2024–2025; sie ersetzen keine ärztliche oder reisemedizinische Beratung.