Erstmals belegt eine großangelegte Auswertung im Fachblatt The Lancet, dass die Malaria-Impfung im realen Einsatz Kinderleben rettet: In den Pilotländern Ghana, Kenia und Malawi verhinderte der Impfstoff RTS,S rund jeden achten Todesfall bei den impfberechtigten Kindern. Die WHO bestätigte die Ergebnisse am 8. Mai 2026 und wertet sie als Signal für den breiten Ausbau. Für Reisende ändert sich dadurch nichts – die Impfung ist kein Reiseschutz.
| Ereignis | Neue Real-World-Daten zur Malaria-Impfung, veröffentlicht in The Lancet |
| Datum | 8. Mai 2026 (WHO-Mitteilung) |
| Impfstoff | RTS,S/AS01 (Mosquirix); zweite empfohlene Impfung: R21/Matrix-M |
| Untersuchte Länder | Ghana, Kenia, Malawi (Pilotprogramm 2019–2023) |
| Kernergebnis | Rund 1 von 8 Todesfällen (etwa 13 %) bei impfberechtigten Kindern verhindert |
| Aktueller Stand | 25 afrikanische Länder haben die Impfung eingeführt, über 39 Mio. Dosen ausgeliefert |
| Für Reisende | Kein Reiseimpfschutz – weiterhin Prophylaxe und Mückenschutz nötig |
Was die neue Studie zeigt
Am 8. Mai 2026 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) neue Erkenntnisse zum realen Nutzen der Malaria-Impfung vorgestellt. Grundlage ist eine im renommierten Fachjournal The Lancet veröffentlichte Auswertung des sogenannten Malaria Vaccine Implementation Programme (MVIP). In diesem Pilotprogramm wurde der Impfstoff RTS,S ab 2019 schrittweise in ausgewählte Routine-Impfprogramme in Ghana, Kenia und Malawi aufgenommen. Ausgewertet wurde der Zeitraum bis 2023.
Das zentrale Ergebnis: In den Gebieten, in denen die Impfung eingeführt wurde, ging die Sterblichkeit unter den impfberechtigten Kindern deutlich zurück. Rund jeder achte Todesfall – etwa 13 Prozent – wurde verhindert. Das ist ein bemerkenswerter Wert, denn er stammt nicht aus einer streng kontrollierten Studie, sondern aus dem echten Versorgungsalltag mit all seinen Unwägbarkeiten. Getragen wurde die Untersuchung von der WHO gemeinsam mit afrikanischen Forschungseinrichtungen wie dem Kintampo Health Research Centre in Ghana, dem Kenya Medical Research Institute und der Kamuzu University of Health Sciences in Malawi sowie internationalen Partnern wie der London School of Hygiene & Tropical Medicine und der US-Gesundheitsbehörde CDC.
Die Zahlen bekommen ihr Gewicht vor dem Hintergrund der weltweiten Krankheitslast: Nach Angaben der WHO starben allein im Jahr 2024 etwa 438.000 Kinder in Afrika an Malaria. Die Erkrankung bleibt damit eine der häufigsten Todesursachen im Kindesalter südlich der Sahara. Grundlagen zur Krankheit selbst finden Sie auf unserer Übersicht Was ist Malaria?.
Wie die Impfung wirkt – und wo ihre Grenzen liegen
Es gibt inzwischen zwei von der WHO empfohlene Malaria-Impfstoffe. RTS,S/AS01 (Handelsname Mosquirix) wurde 2021 als erster überhaupt empfohlen, 2023 folgte der Impfstoff R21/Matrix-M. Beide richten sich gegen Plasmodium falciparum, den gefährlichsten Malaria-Erreger, der in Afrika dominiert. Sie werden in mehreren Dosen im frühen Kindesalter verabreicht und senken das Risiko schwerer und tödlicher Verläufe.
Wichtig ist die realistische Einordnung: Die Impfung bietet keinen vollständigen Schutz. In den Zulassungsstudien lag die Wirksamkeit von R21 bei rund zwei Dritteln gegen eine erste Malaria-Erkrankung – ein Meta-Ergebnis aus mehreren afrikanischen Ländern nannte im Mai 2026 etwa 68 Prozent gegen erste Episoden. Deshalb bleibt die Impfung ein zusätzlicher Baustein und ersetzt weder imprägnierte Moskitonetze noch die schnelle Behandlung im Krankheitsfall. Der neue Nutzenbeleg zeigt aber, dass selbst dieser Teilschutz in der Breite Tausende Leben retten kann. Wie der Schutz vor Malaria grundsätzlich aufgebaut ist, erläutert unsere Seite zur Malaria-Impfung sowie die Übersicht zur Vorbeugung.
Was bedeutet das für Reisende?
So erfreulich die Ergebnisse sind – für Urlauberinnen und Urlauber aus Europa ändert sich dadurch nichts. Die zugelassenen Malaria-Impfstoffe sind ausdrücklich für Kinder in Endemiegebieten gedacht, die dauerhaft einem hohen Übertragungsrisiko ausgesetzt sind. Sie sind kein Reiseimpfstoff und stehen Reisenden nicht als Schutz zur Verfügung.
Wer in ein Malariagebiet reist, ist deshalb weiterhin auf die bewährten Maßnahmen angewiesen: konsequenter Mückenschutz (Expositionsprophylaxe) und – je nach Ziel – eine medikamentöse Vorbeugung. Welche Regionen betroffen sind, zeigt unsere Übersicht der Malaria-Risikogebiete mit über 60 Länderseiten, darunter klassische Reiseziele wie Kenia und Ghana. Welches Medikament zur Prophylaxe infrage kommt, erklärt der Vergleich der Malariaprophylaxe-Medikamente. Grundsätzlich gilt: Lassen Sie sich mehrere Wochen vor Abreise reisemedizinisch beraten.
Wie es weitergeht
Die Impfung wird inzwischen breit ausgerollt. Nach Angaben der Impfallianz Gavi haben 25 afrikanische Länder den Impfstoff in ihre Routine-Impfprogramme aufgenommen; mehr als 39 Millionen Dosen wurden bereits ausgeliefert, und über zehn Millionen Kinder pro Jahr sollen erreicht werden. Die WHO betont, dass ein flächendeckender Einsatz jährlich Zehntausende junge Leben retten könnte.
Der begrenzende Faktor ist nicht mehr die Verfügbarkeit, sondern die Finanzierung. „Die Nachfrage ist hoch und das Angebot ausreichend, aber es braucht mehr Finanzierung, damit die Länder genügend Impfstoff kaufen können“, erklärte Dr. Kate O’Brien, WHO-Direktorin für Immunisierung. Parallel arbeiten Forschungsteams an weiteren Werkzeugen – von neuen Wirkstoffkandidaten bis zu monoklonalen Antikörpern –, um die Fortschritte im Kampf gegen Malaria abzusichern. Wie die Erkrankung erkannt und behandelt wird, lesen Sie auf unseren Seiten zu Symptomen und zur Behandlung.
Häufige Fragen
Kann ich mich als Reisende oder Reisender gegen Malaria impfen lassen?
Nein. Die beiden zugelassenen Malaria-Impfstoffe RTS,S und R21 sind für Kinder in Endemiegebieten bestimmt und stehen als Reiseschutz nicht zur Verfügung. Für Reisen in Malariagebiete bleiben Mückenschutz und – je nach Ziel – eine medikamentöse Prophylaxe der wichtigste Schutz.
Wie gut schützt die Malaria-Impfung?
Sie bietet keinen vollständigen Schutz. In Studien lag die Wirksamkeit bei rund zwei Dritteln gegen eine erste Erkrankung. Im realen Einsatz verhinderte sie in den Pilotländern dennoch etwa jeden achten Todesfall bei den impfberechtigten Kindern, weil sie schwere Verläufe reduziert.
Welche Länder setzen die Impfung ein?
Bis 2026 haben 25 afrikanische Länder die Malaria-Impfung in ihre Routine-Impfprogramme aufgenommen, begonnen hatte das Pilotprogramm 2019 in Ghana, Kenia und Malawi.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): „New evidence confirms malaria vaccine saves child lives and will have high impact in wider rollout“, Mitteilung vom 8. Mai 2026.
- The Lancet: Auswertung des Malaria Vaccine Implementation Programme (MVIP), veröffentlicht Mai 2026.
- UN News / WHO: Angaben zu Dosen, Länderzahl und Kindersterblichkeit durch Malaria 2024.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst den aktuellen Stand allgemein verständlich zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Zu Impfungen, Prophylaxe und Reiseschutz berät Sie eine reisemedizinische Fachstelle individuell.