Zur medikamentösen Malariaprophylaxe stehen in Deutschland vor allem drei Wirkstoffe zur Verfügung: Atovaquon-Proguanil (Malarone), Doxycyclin und Mefloquin (Lariam). Welches Mittel sinnvoll ist, hängt vom Reiseziel, der Reisedauer, Vorerkrankungen und der Verträglichkeit ab. Chloroquin spielt wegen weitverbreiteter Resistenzen kaum noch eine Rolle. Die endgültige Auswahl trifft immer eine reisemedizinische Beratung.
| Mittel | Einnahme | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| Atovaquon-Proguanil (Malarone) | täglich · 1–2 Tage vorher bis 7 Tage nachher | kurze Nacheinnahme, gut verträglich, ideal für Kurzreisen | vergleichsweise teuer, täglich |
| Doxycyclin | täglich · 1–2 Tage vorher bis 4 Wochen nachher | günstig, gut für Langzeitreisen | Lichtempfindlichkeit, lange Nacheinnahme, nicht für Kinder < 8 J./Schwangere |
| Mefloquin (Lariam) | wöchentlich · 2–3 Wochen vorher bis 4 Wochen nachher | nur einmal pro Woche | neuropsychiatrische Nebenwirkungen, in DE seit 2016 ohne Zulassung |
| Chloroquin | wöchentlich | günstig, in Schwangerschaft möglich | weitgehend resistent → kaum noch Reisegebiete |
Welche Prophylaxe-Medikamente gibt es?
Für die durchgehende medikamentöse Vorbeugung (Chemoprophylaxe) werden heute überwiegend Atovaquon-Proguanil und Doxycyclin eingesetzt; Mefloquin kommt nur noch in Einzelfällen infrage. Alle drei verhindern, dass sich die mit dem Stich der Anopheles-Mücke übertragenen Erreger im Körper vermehren.
Die Chemoprophylaxe ist immer nur ein Baustein. Sie ersetzt nicht den konsequenten Schutz vor Mückenstichen (Repellents, imprägnierte Moskitonetze, lange Kleidung), den jede Reise in ein Risikogebiet braucht – mehr dazu auf der Seite zur Malaria-Vorbeugung. Kein Medikament bietet einen hundertprozentigen Schutz; treten nach einer Tropenreise Fieber oder grippeähnliche Symptome auf, ist immer umgehend ärztliche Hilfe nötig. Welches Mittel für welches Land empfohlen wird, richtet sich nach der aktuellen Risiko- und Resistenzlage der Malaria-Risikogebiete.
Atovaquon-Proguanil (Malarone)
Atovaquon-Proguanil – bekannt unter dem Handelsnamen Malarone und als günstigere Generika – gilt als das gängigste Reise-Prophylaktikum mit dem weltweit derzeit günstigsten Resistenzprofil. Es wird täglich eingenommen, beginnend 1–2 Tage vor der Einreise bis 7 Tage nach Verlassen des Gebiets.
Vorteile: sehr kurze Nacheinnahme von nur einer Woche (ideal für Kurz- und Last-Minute-Reisen), insgesamt gute Verträglichkeit, zugelassen für Kinder ab 11 kg Körpergewicht. Nachteile: vergleichsweise hoher Preis, tägliche Einnahme, gelegentlich Kopf- und Bauchschmerzen oder Durchfall; bei schwerer Nierenfunktionsstörung nicht uneingeschränkt geeignet. Details im Steckbrief zu Atovaquon-Proguanil (Malarone).
Doxycyclin
Doxycyclin ist ein Antibiotikum, das zugleich gegen Malaria-Erreger wirkt und ein ebenso günstiges Resistenzprofil wie Malarone hat. In Deutschland ist es für die Malariaprophylaxe formal nicht zugelassen, wird aber von WHO und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) seit 2003 im Off-Label-Use empfohlen. Einnahme täglich, von 1–2 Tagen vor der Einreise bis 4 Wochen nach der Reise.
Vorteile: günstig, gut für längere Reisen geeignet, schützt nebenbei vor einigen weiteren bakteriellen Infektionen. Nachteile: erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut (Sonnenbrandgefahr), lange Nacheinnahme von vier Wochen, Magen-Darm-Beschwerden; nicht geeignet für Kinder unter 8 Jahren, Schwangere und Stillende. Mehr im Steckbrief zu Doxycyclin.
Mefloquin (Lariam)
Mefloquin muss nur einmal wöchentlich eingenommen werden und war lange ein Standard für Langzeitaufenthalte. Heute wird es deutlich seltener verordnet: Der Hersteller hat die Zulassung für Lariam in Deutschland 2016 zurückgezogen, sodass es nur noch als Einzelimport erhältlich ist.
Vorteile: nur eine Einnahme pro Woche, lange Wirkdauer. Nachteile: neuropsychiatrische Nebenwirkungen wie Albträume, Angst, Schwindel und Schlafstörungen, in seltenen Fällen Depressionen; ungeeignet bei psychiatrischer Vorgeschichte, Epilepsie oder bestimmten Herzproblemen. Die genaue Einordnung steht im Steckbrief zu Mefloquin (Lariam).
Chloroquin
Chloroquin war jahrzehntelang das wichtigste Malariamittel, hat aber durch weitverbreitete Resistenzen des gefährlichsten Erregers (Plasmodium falciparum) seine Bedeutung für die Reiseprophylaxe fast vollständig verloren. Für die allermeisten Reiseziele wird es heute nicht mehr empfohlen.
In den wenigen verbliebenen chloroquinsensiblen Gebieten kann es weiterhin – auch in der Schwangerschaft – eingesetzt werden. Wegen der Resistenzlage spielt es in der Reisemedizin jedoch kaum noch eine Rolle; Einzelheiten im Steckbrief zu Chloroquin.
Chemoprophylaxe oder Standby-Notfallmedikament?
Nicht für jede Reise ist die durchgehende Tabletteneinnahme nötig. Die Reisemedizin arbeitet risikobasiert: In Hochrisikogebieten wird eine Chemoprophylaxe empfohlen, in Gebieten mit geringerem oder saisonalem Risiko genügt oft ein Notfallmedikament zur Selbstbehandlung (Standby).
Beim Standby-Konzept nimmt man ein Notfallmedikament nur dann ein, wenn fern jeder ärztlichen Versorgung Fieber auftritt und innerhalb von 24 Stunden kein Arzt erreichbar ist – und sucht danach trotzdem so schnell wie möglich ärztliche Hilfe. Ob Chemoprophylaxe, Standby oder allein konsequenter Mückenschutz richtig ist, hängt vom konkreten Reiseziel ab und sollte reisemedizinisch geklärt werden.
Welches Mittel ist das richtige?
Die Wahl des Prophylaxe-Medikaments ist immer eine individuelle Entscheidung. Für eine kurze Reise spricht die kurze Nacheinnahme von Atovaquon-Proguanil, für eine lange Reise das günstige Doxycyclin – sofern keine Sonnenempfindlichkeit oder Gegenanzeigen bestehen.
Entscheidend sind außerdem Vorerkrankungen, Begleitmedikamente, Schwangerschaft, das Alter mitreisender Kinder und die individuelle Verträglichkeit. Da alle Wirkstoffe rezeptpflichtig sind und Wechselwirkungen sowie Gegenanzeigen geprüft werden müssen, gehört die Auswahl in eine reisemedizinische Beratung – idealerweise mehrere Wochen vor Abreise. Eine erste Orientierung, ob für dein Ziel überhaupt eine Prophylaxe nötig ist, geben die Malaria-Risikogebiete.
Häufige Fragen zu Malariaprophylaxe-Medikamenten
Welche Malariatablette ist die beste?
Es gibt nicht „die beste“ Tablette – die Wahl hängt von Reiseziel, -dauer und persönlichen Faktoren ab. Atovaquon-Proguanil (Malarone) ist wegen der kurzen Nacheinnahme und guten Verträglichkeit für viele Reisen erste Wahl, Doxycyclin die günstige Option für längere Aufenthalte. Mefloquin kommt nur noch in Einzelfällen infrage.
Sind Malaria-Prophylaxe-Tabletten rezeptpflichtig?
Ja. Alle Wirkstoffe sind in Deutschland verschreibungspflichtig und müssen ärztlich verordnet werden. Die Kosten werden von gesetzlichen Krankenkassen meist nicht übernommen, da es sich um eine Reise- und nicht um eine Krankheitsleistung handelt.
Wie lange vor der Reise muss ich beginnen?
Das hängt vom Mittel ab: Atovaquon-Proguanil und Doxycyclin werden 1–2 Tage vor der Einreise begonnen, Mefloquin dagegen schon 2–3 Wochen vorher, um die Verträglichkeit rechtzeitig zu testen. Eine reisemedizinische Beratung sollte daher mehrere Wochen vor Abreise erfolgen.
Hinweis: Diese Übersicht dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Welche Malariaprophylaxe für dich geeignet ist, klärst du vor der Reise mit einer reise- oder tropenmedizinischen Praxis.