Chloroquin war jahrzehntelang das wichtigste Malariamittel, hat für die Reiseprophylaxe heute aber fast keine Bedeutung mehr. Grund sind weitverbreitete Resistenzen des gefährlichsten Erregers Plasmodium falciparum. Nur in wenigen verbliebenen chloroquinsensiblen Gebieten – und dort auch in der Schwangerschaft – wird es noch eingesetzt. Für die allermeisten Reiseziele wird es nicht mehr empfohlen.
| Wirkstoff | Chloroquin |
| Einnahme | wöchentlich, 1 Woche vorher bis 4 Wochen nachher |
| Bedeutung heute | gering (weit verbreitete Resistenzen) |
| Eignung | nur wenige Gebiete; in Schwangerschaft möglich |
| Langzeitrisiko | Augenschäden bei jahrelanger Einnahme |
| Kosten | günstig |
Wie wirkt Chloroquin?
Chloroquin reichert sich in den Malaria-Erregern an und stört dort den Abbau des roten Blutfarbstoffs, von dem sich die Parasiten ernähren. Dadurch werden sie in der Blutphase abgetötet. Über Jahrzehnte war der Wirkstoff wegen seines niedrigen Preises und der nur wöchentlichen Einnahme das weltweite Standardmittel.
Wie alle Prophylaxe-Mittel schützt Chloroquin nicht vor dem Stich der Anopheles-Mücke selbst, sondern verhindert, dass sich übertragene Erreger im Blut vermehren und die Erkrankung ausbricht. Nach der Reise muss es noch vier Wochen weiter eingenommen werden.
Warum wird es kaum noch eingesetzt?
Der gefährlichste Malaria-Erreger, Plasmodium falciparum, hat in fast allen Endemiegebieten Resistenzen gegen Chloroquin entwickelt. In diesen Regionen bietet das Mittel deshalb keinen verlässlichen Schutz mehr und wird nicht mehr empfohlen.
Die Resistenzen breiteten sich ab den 1960er-Jahren von Südostasien und Südamerika aus und erreichten später nahezu ganz Afrika. Für die allermeisten heutigen Reiseziele kommt Chloroquin damit nicht mehr infrage; an seine Stelle sind Atovaquon-Proguanil und Doxycyclin getreten. Welche Mittel für welche Region empfohlen werden, hängt von der aktuellen Resistenzlage der Malaria-Risikogebiete ab.
Vorteile
- Sehr günstig.
- Nur wöchentliche Einnahme.
- Langjährige Erfahrung, gut untersucht.
- In der Schwangerschaft einsetzbar (in den wenigen sensiblen Gebieten).
Nachteile & Nebenwirkungen
- Weitverbreitete Resistenzen – für die meisten Reisegebiete unwirksam.
- Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit.
- Juckreiz (besonders häufig bei dunkler Haut), Kopfschmerzen, Sehstörungen.
- Bei sehr langer Anwendung über Jahre mögliche Schäden an der Netzhaut des Auges.
- Kann bestimmte Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) verschlechtern.
Wo ist Chloroquin noch sinnvoll?
Chloroquin wirkt nur noch dort, wo die Erreger keine Resistenzen entwickelt haben – das betrifft heute nur wenige, eng begrenzte Regionen. In diesen Gebieten kann es weiterhin und auch in der Schwangerschaft eingesetzt werden, weil seine Sicherheit für werdende Mütter gut belegt ist.
Für die Planung einer konkreten Reise ist die individuelle reisemedizinische Beratung entscheidend: Sie klärt anhand der aktuellen Resistenzkarten, ob am Reiseziel überhaupt eine Chemoprophylaxe nötig ist und welches Mittel wirkt. Allein die wöchentliche Einnahme oder der niedrige Preis sind kein Grund, Chloroquin gegenüber wirksameren Mitteln zu bevorzugen.
Welche Rolle spielt Chloroquin heute?
In der Reisemedizin ist Chloroquin heute weitgehend ein Mittel der Vergangenheit. Eingesetzt wird es nur noch in den wenigen Regionen ohne Resistenzen sowie teilweise in der Behandlung bestimmter Malariaformen und – außerhalb der Reisemedizin – bei einigen rheumatischen Erkrankungen.
Für die Planung einer Tropenreise bedeutet das: In aller Regel kommen heute Atovaquon-Proguanil oder Doxycyclin zum Einsatz. Einen vollständigen Vergleich der aktuellen Optionen bietet die Übersicht der Malariaprophylaxe-Medikamente; allgemeine Schutzmaßnahmen erklärt die Seite zur Malaria-Vorbeugung.
Häufige Fragen zu Chloroquin
Kann man mit Chloroquin heute noch Malaria vorbeugen?
Nur in den wenigen Gebieten, in denen die Erreger noch nicht resistent sind. Für die große Mehrheit der Reiseziele ist Chloroquin wegen verbreiteter Resistenzen unwirksam geworden und wird nicht mehr empfohlen.
Warum war Chloroquin früher so beliebt?
Chloroquin war preiswert, musste nur einmal wöchentlich eingenommen werden und war gut verträglich. Erst die zunehmenden Resistenzen haben es als Reiseprophylaxe weitgehend verdrängt.
Ist Chloroquin in der Schwangerschaft sicher?
Chloroquin gehört zu den Malariamitteln mit der besten Datenlage in der Schwangerschaft und kann dort eingesetzt werden – allerdings nur in den wenigen Gebieten, in denen es überhaupt noch wirkt. Die Entscheidung trifft die ärztliche Beratung.
Hinweis: Dieser Steckbrief dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob für ein Reiseziel überhaupt eine Chemoprophylaxe nötig ist und welches Mittel infrage kommt, klärt die reisemedizinische Praxis.