Mefloquin – früher unter dem Handelsnamen Lariam ein Standardmittel – muss nur einmal wöchentlich eingenommen werden, wird heute aber wegen seiner Nebenwirkungen deutlich seltener verordnet. Der Hersteller hat die Zulassung für Lariam in Deutschland 2016 zurückgezogen; verfügbar ist der Wirkstoff nur noch als Einzelimport. Eingenommen wird er 2–3 Wochen vor bis 4 Wochen nach der Reise.
| Wirkstoff | Mefloquin |
| Handelsname | Lariam (in DE seit 2016 ohne Zulassung) |
| Einnahme | wöchentlich, 2–3 Wochen vorher bis 4 Wochen nachher |
| Verfügbarkeit (DE) | nur als Einzelimport (§ 73 AMG) |
| Hauptproblem | neuropsychiatrische Nebenwirkungen |
| Kosten | günstig |
Wie wirkt Mefloquin?
Mefloquin tötet die Malaria-Erreger in ihrer Blutphase ab und verhindert so den Ausbruch der Erkrankung. Dank seiner langen Wirkdauer reicht eine Einnahme pro Woche – das war über Jahre sein wichtigster Vorteil, vor allem bei langen Aufenthalten in Hochrisikogebieten.
Weil das Mittel erst in der Blutphase wirkt, muss es nach der Rückkehr noch vier Wochen weiter eingenommen werden. Übertragen werden die Erreger – wie bei allen Malariaformen – durch den Stich der weiblichen Anopheles-Mücke.
Wie wird es eingenommen?
Mefloquin wird einmal pro Woche jeweils am selben Wochentag eingenommen, zum Essen und mit reichlich Flüssigkeit. Der Beginn liegt bewusst 2–3 Wochen vor der Einreise – so lässt sich rechtzeitig prüfen, ob das Mittel vertragen wird, bevor man im Reiseland darauf angewiesen ist.
Treten in dieser Testphase neurologische oder psychische Beschwerden auf, muss auf ein anderes Mittel gewechselt werden. Nach der Reise wird die wöchentliche Einnahme noch vier Wochen fortgesetzt. Wegen der Gegenanzeigen und der nötigen Vorlaufzeit gehört die Anwendung zwingend in ärztliche Hand.
Vorteile
- Nur eine Einnahme pro Woche statt täglich.
- Lange Wirkdauer, dadurch praktisch für sehr lange Aufenthalte.
- Günstiger Wirkstoffpreis.
- Nach ärztlicher Abwägung auch in der Schwangerschaft einsetzbar.
Nachteile & Nebenwirkungen
Die meisten Anwender vertragen Mefloquin, doch es kann ausgeprägte neuropsychiatrische Nebenwirkungen auslösen – das ist der Hauptgrund für die heute zurückhaltende Verordnung.
- Häufig: lebhafte Träume, Albträume, Schwindel, Schlafstörungen, Kopfschmerzen.
- Gelegentlich bis selten: Angstzustände, Depressionen, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen.
- Selten: Halluzinationen, Psychosen, Krampfanfälle. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat zudem auf Suizidgedanken hingewiesen.
- Lange Vorlauf- und Nacheinnahmezeit.
- Wird für die Notfall-Selbstbehandlung nicht mehr empfohlen.
Neuropsychiatrische Beschwerden können auch nach dem Absetzen noch eine Zeit lang anhalten, da Mefloquin sehr lange im Körper verbleibt.
Wann darf Mefloquin nicht eingenommen werden?
Mefloquin ist ungeeignet bei einer Vorgeschichte von psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Psychosen, bei Epilepsie sowie bei bestimmten Herzrhythmusstörungen. In diesen Fällen überwiegt das Risiko schwerer Nebenwirkungen.
Auch wer in seinem Beruf höchste Konzentration und Reaktionsfähigkeit braucht – etwa beim Tauchen, Fliegen oder Bedienen schwerer Maschinen – sollte die mögliche Beeinträchtigung bedenken. Vor der ersten regulären Einnahme dient die mehrwöchige Testphase dazu, eine Unverträglichkeit rechtzeitig zu erkennen.
Verfügbarkeit in Deutschland
Der Hersteller Roche hat die Zulassung für Lariam in Deutschland im Februar 2016 zurückgezogen – vor allem wegen rückläufiger Nachfrage und des Nebenwirkungsprofils. Ein in Deutschland regulär zugelassenes Lariam-Präparat gibt es seither nicht mehr.
Benötigt eine Ärztin oder ein Arzt das Mittel im Einzelfall, kann mefloquinhaltige Ware als Einzelimport aus dem Ausland beschafft werden (nach § 73 Arzneimittelgesetz). Wegen der besser verträglichen Alternativen Atovaquon-Proguanil und Doxycyclin spielt Mefloquin in der heutigen Reiseprophylaxe aber nur noch eine Nebenrolle. Einen Überblick über alle Optionen gibt die Übersicht der Malariaprophylaxe-Medikamente.
Häufige Fragen zu Mefloquin (Lariam)
Ist Lariam in Deutschland noch erhältlich?
Als regulär zugelassenes Präparat nicht mehr – die Zulassung wurde 2016 zurückgezogen. Mefloquin kann von ärztlicher Seite im Einzelfall noch als Import aus dem Ausland beschafft werden, wird aber nur noch selten verordnet.
Wie gefährlich sind die Nebenwirkungen von Mefloquin?
Die meisten Anwender vertragen Mefloquin, doch es kann neuropsychiatrische Beschwerden bis hin zu Angst, Depression, Albträumen oder Schlafstörungen auslösen. Wegen dieser Risiken wird vor dem ersten Einnahmetag eine Testphase empfohlen und das Mittel bei entsprechender Vorgeschichte gemieden.
Warum beginnt man mit Mefloquin schon Wochen vor der Reise?
Der frühe Beginn 2–3 Wochen vorher dient als Verträglichkeitstest: Treten neuropsychiatrische Beschwerden auf, kann noch vor der Abreise auf ein anderes Mittel gewechselt werden, statt fern der Heimat damit konfrontiert zu sein.
Hinweis: Dieser Steckbrief dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Mefloquin ist verschreibungspflichtig und in Deutschland nur als Einzelimport erhältlich; über Eignung und Risiken entscheidet die reisemedizinische Praxis.