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Malariaprophylaxe: Medikamente im Vergleich

Primaquin: Rückfallschutz & G6PD-Test

Primaquin ist ein 8-Aminochinolin und das einzige lange etablierte Mittel, das die Leber-Ruheformen (Hypnozoiten) von Plasmodium vivax und Plasmodium ovale abtötet. Es dient der Rückfallprophylaxe nach einer Malaria tertiana und wird nur nach einem G6PD-Test verordnet.

Wirkstoffklasse8-Aminochinolin
EinsatzRückfallschutz bei Malaria durch P. vivax und P. ovale (Abschlussbehandlung)
ZielLeber-Ruheformen (Hypnozoiten), zusätzlich Gametozyten
VoraussetzungZwingend G6PD-Test vor der ersten Gabe
SchwangerschaftKontraindiziert (auch in der Stillzeit ohne gesicherten G6PD-Status des Kindes)
BesonderheitHämolyse-Gefahr bei G6PD-Mangel; keine Standard-Prophylaxe

Was ist Primaquin?

Primaquin ist ein Malariamittel aus der Wirkstoffklasse der 8-Aminochinoline. Es nimmt unter den Malariamedikamenten eine Sonderstellung ein, weil es als einziges lange etabliertes Präparat die ruhenden Formen der Malaria-Erreger in der Leber erreicht. Während die meisten Mittel gegen die Blutformen der Parasiten wirken, greift Primaquin gezielt jene Erregerstadien an, die eine akute Malaria-Behandlung überdauern können. Der Wirkstoff wird ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht und nach entsprechender Diagnostik eingesetzt.

Wogegen wirkt Primaquin?

Primaquin wirkt gegen die sogenannten Hypnozoiten – das sind ruhende Leberformen von Plasmodium vivax und Plasmodium ovale. Diese schlafenden Erreger können Wochen, Monate oder sogar Jahre nach der ersten Infektion wieder aktiv werden und einen erneuten Krankheitsschub auslösen. Genau dieses Reservoir schaltet Primaquin aus und verhindert so die typischen Spätrückfälle der Malaria tertiana. Man spricht deshalb von einer radikalen Heilung oder Abschlussbehandlung. Darüber hinaus wirkt Primaquin gegen Gametozyten, die Geschlechtsformen der Parasiten, und kann so die Weiterübertragung durch Mücken (Transmissionsblockade) verringern. Gegen die reinen Blutformen anderer Malariaarten ist es dagegen nicht das Mittel der Wahl.

Warum ist ein G6PD-Test nötig?

Vor jeder Gabe von Primaquin muss zwingend ein G6PD-Test durchgeführt werden. G6PD steht für das Enzym Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase, das die roten Blutkörperchen vor oxidativem Stress schützt. Bei Menschen mit einem angeborenen G6PD-Mangel kann Primaquin eine schwere Hämolyse auslösen – also eine gefährliche Zersetzung der roten Blutkörperchen. Der G6PD-Mangel ist die häufigste angeborene Enzymstörung überhaupt und in vielen Malariagebieten weit verbreitet. Nur wenn der Test einen ausreichenden Enzymstatus bestätigt, darf Primaquin verordnet werden. Ohne diese Voruntersuchung ist der Einsatz nicht vertretbar. In der Schwangerschaft ist Primaquin kontraindiziert, weil der G6PD-Status des ungeborenen Kindes nicht sicher bestimmt werden kann und dem Kind eine Hämolyse droht.

Wann wird Primaquin eingesetzt?

Primaquin kommt nach der eigentlichen Akuttherapie einer Malaria tertiana zum Einsatz. Zunächst werden die Blutformen der Parasiten mit einem geeigneten Mittel beseitigt und die akuten Symptome behandelt; anschließend folgt Primaquin, um die verbliebenen Leber-Ruheformen zu beseitigen und Rückfälle zu verhindern. Es handelt sich also um eine Abschlussbehandlung, nicht um die Ersttherapie. Wichtig: Primaquin ist keine Standard-Reiseprophylaxe. In einzelnen Ländern wird eine Primaquin-Primärprophylaxe praktiziert, doch in Deutschland und den gängigen Empfehlungen gehört Primaquin nicht zu den Standard-Prophylaxe-Medikamenten. Die konkrete Dosierung und Dauer legt stets die behandelnde ärztliche Fachkraft fest.

Vor- und Nachteile im Überblick

Der große Vorteil von Primaquin liegt in seiner einzigartigen Fähigkeit, die Leber-Hypnozoiten zu erreichen und damit Spätrückfälle von P. vivax und P. ovale dauerhaft zu verhindern. Kein anderes lange verfügbares Mittel leistet dies. Zusätzlich kann es die Übertragungskette durch Wirkung auf die Gametozyten unterbrechen. Dem stehen deutliche Nachteile gegenüber: Die Hämolyse-Gefahr bei G6PD-Mangel macht einen vorherigen Enzymtest unverzichtbar, und in der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit ohne gesicherten kindlichen G6PD-Status ist der Wirkstoff kontraindiziert. Primaquin eignet sich außerdem nicht als breite Standardprophylaxe. Der Nutzen ist also hoch, an eine sorgfältige Voruntersuchung und ärztliche Steuerung aber fest gebunden.

Häufige Fragen zu Primaquin

Ist Primaquin eine Reiseprophylaxe?

Nein. Primaquin ist keine Standard-Prophylaxe für Reisende. Es dient in erster Linie der Abschlussbehandlung nach einer durchgemachten Malaria tertiana, um Rückfälle aus den Leber-Ruheformen zu verhindern. Eine Primaquin-Primärprophylaxe wird nur in einzelnen Ländern praktiziert, gehört aber in Deutschland nicht zum Standard.

Warum ist Primaquin in der Schwangerschaft verboten?

In der Schwangerschaft ist Primaquin kontraindiziert, weil sich der G6PD-Status des ungeborenen Kindes nicht sicher bestimmen lässt. Bei einem G6PD-Mangel des Kindes könnte der Wirkstoff eine gefährliche Hämolyse auslösen. Auch in der Stillzeit wird Primaquin nur eingesetzt, wenn ein G6PD-Mangel des Kindes ausgeschlossen ist.

Wirkt Primaquin gegen die akute Malaria?

Primaquin ist nicht das Mittel für die akute Ersttherapie. Zuerst werden die Blutformen der Parasiten mit einem anderen Präparat behandelt. Primaquin folgt anschließend, um die ruhenden Leberformen zu beseitigen und Spätrückfälle zu verhindern. Es ergänzt die Akuttherapie also, ersetzt sie aber nicht.

Hinweis: Dieser Wirkstoff-Steckbrief dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Primaquin darf nur nach ärztlicher Verordnung und nach einem G6PD-Test eingenommen werden. Wenden Sie sich vor jeder Behandlung an eine reisemedizinisch erfahrene Ärztin oder einen Arzt.