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Malariaprophylaxe: Medikamente im Vergleich

Proguanil

Proguanil ist ein älterer Malaria-Wirkstoff, der heute fast nur noch als Bestandteil der Fixkombination Atovaquon-Proguanil (Malarone) eine Rolle spielt. Allein eingenommen schützt Proguanil nicht zuverlässig vor Malaria. Die früher verbreitete Kombination aus Chloroquin und Proguanil gilt wegen zunehmender Resistenzen heute als überholt und wird für Reisende nicht mehr empfohlen.

WirkstoffklasseBiguanid (Prodrug, wird im Körper zu Cycloguanil umgewandelt)
HandelsnamePaludrine (Einzelpräparat, in Deutschland kaum noch üblich); Bestandteil von Malarone
Heutige Anwendungfast ausschließlich als Fixkombination Atovaquon-Proguanil
Wirkung alleinschwach – als alleiniges Mittel ungeeignet
Schwangerschaftvergleichsweise gut untersucht; nur nach ärztlicher Abwägung, mit Folsäure
Vorsicht beieingeschränkter Nierenfunktion (Dosisanpassung nötig)

Was ist Proguanil?

Proguanil, auch unter dem Handelsnamen Paludrine bekannt, ist einer der ältesten synthetischen Malaria-Wirkstoffe und wird bereits seit den 1940er-Jahren eingesetzt. Chemisch zählt es zur Gruppe der Biguanide. Für sich genommen hat Proguanil heute jedoch kaum noch Bedeutung: In der modernen Malaria-Vorbeugung begegnet es Reisenden fast nur noch als eine Hälfte der Fixkombination Atovaquon-Proguanil – besser bekannt unter dem Markennamen Malarone.

Als einzelner Wirkstoff ist Proguanil in Deutschland praktisch nicht mehr gebräuchlich. Sein Stellenwert erklärt sich vor allem aus seiner Geschichte und aus der Rolle, die es im Zusammenspiel mit anderen Substanzen spielt.

Wie wirkt Proguanil?

Proguanil ist ein sogenanntes Prodrug: Erst im Körper wird es in der Leber zum eigentlich wirksamen Stoff Cycloguanil umgebaut. Cycloguanil blockiert ein Enzym der Malaria-Erreger, die Dihydrofolat-Reduktase, das die Parasiten für den Aufbau ihrer Erbsubstanz benötigen. Fehlt dieses Enzym, können sich die Plasmodien nicht mehr vermehren.

Der Angriff setzt bereits in der Leberphase der Infektion an. Allein ist diese Wirkung jedoch zu schwach, und die Erreger entwickeln rasch Unempfindlichkeiten. Erst in Kombination – etwa mit Atovaquon, das den Energiestoffwechsel der Parasiten lahmlegt – verstärken sich beide Wirkstoffe gegenseitig und werden zuverlässig wirksam.

Heutige Bedeutung: Atovaquon-Proguanil

Die mit Abstand wichtigste Anwendung von Proguanil ist heute die feste Kombination mit Atovaquon, im Handel als Malarone und als preisgünstigere Generika erhältlich. Diese Kombination gehört zu den meistgenutzten Mitteln der Malaria-Prophylaxe und wird zugleich zur Behandlung eingesetzt. Sie wird täglich eingenommen, muss aber nur wenige Tage nach der Reise weitergeführt werden – ein Vorteil gerade bei Kurz- und Last-Minute-Reisen. Alle Details zu Dosierung, Vorteilen und Kosten finden Sie auf der Seite zu Atovaquon-Proguanil.

Chloroquin plus Proguanil – heute überholt

Über viele Jahre war die Kombination aus Chloroquin und Proguanil eine gängige Reiseprophylaxe, besonders bei Langzeitaufenthalten. Weil die Malaria-Erreger jedoch weltweit zunehmend unempfindlich gegen beide Wirkstoffe geworden sind, bietet diese Kombination heute keinen ausreichenden Schutz mehr. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) führen sie nicht mehr als empfohlene Standardprophylaxe.

Für heutige Reisen in Malaria-Risikogebiete kommen stattdessen Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin oder Mefloquin zum Einsatz. Welches Mittel geeignet ist, hängt vom Reiseziel, der Reisedauer und persönlichen Faktoren ab und sollte reisemedizinisch abgeklärt werden.

Nebenwirkungen und Verträglichkeit

Proguanil gilt als vergleichsweise gut verträglich. Treten Nebenwirkungen auf, sind sie meist mild und vorübergehend. Am häufigsten sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen. Auch kleine, schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut werden beschrieben, seltener Haarausfall oder leichte Hautreaktionen. Schwere allergische Reaktionen sind sehr selten.

Weil Cycloguanil in den Folsäure-Stoffwechsel eingreift, kann Proguanil – vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion oder bestehendem Folsäuremangel – das Blutbild beeinträchtigen. Bei einer Nierenschwäche ist deshalb besondere Vorsicht geboten, und die Dosis muss ärztlich angepasst werden.

Schwangerschaft, Stillzeit und Niere

Proguanil zählt zu den in der Schwangerschaft am längsten erprobten Malariamitteln und wurde in der Vergangenheit – gemeinsam mit Chloroquin – auch Schwangeren verordnet. Da es in den Folsäurehaushalt eingreift, wird in diesem Fall eine begleitende Folsäuregabe empfohlen. Weil die alte Chloroquin-Kombination heute aber kaum noch schützt, ist dieser Einsatz in der Praxis selten geworden. Grundsätzlich gilt: In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Nierenerkrankungen darf eine Malariaprophylaxe nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung erfolgen. Mehr dazu auf unserer Seite zur Malariaprophylaxe in der Schwangerschaft.

Was bedeutet das für Reisende?

Für die Reiseplanung ist die wichtigste Botschaft: Proguanil ist kein eigenständiges Reisemedikament mehr. Wer heute eine Prophylaxe benötigt, erhält in aller Regel die Kombination Atovaquon-Proguanil oder eines der anderen modernen Mittel – nicht Proguanil allein. Von einer eigenmächtigen Kombination aus alten Restbeständen, etwa Chloroquin plus Proguanil, ist dringend abzuraten, da der Schutz unzureichend wäre.

Welche Prophylaxe für Ihr Reiseziel sinnvoll ist, klären Sie am besten rechtzeitig in einer reisemedizinischen Beratung. Einen Überblick über alle Wirkstoffe bietet unsere Übersicht der Malaria-Medikamente.

Häufige Fragen

Kann ich mich mit Proguanil allein vor Malaria schützen?

Nein. Als alleiniges Mittel wirkt Proguanil zu schwach und schützt nicht zuverlässig. Es wird heute nur in Kombination eingesetzt, vor allem als Atovaquon-Proguanil (Malarone).

Ist die Kombination Chloroquin plus Proguanil noch aktuell?

Nein. Wegen weit verbreiteter Resistenzen bietet sie keinen ausreichenden Schutz mehr und wird von den Fachgesellschaften nicht mehr als Reiseprophylaxe empfohlen.

Ist Proguanil in der Schwangerschaft erlaubt?

Proguanil gehört zu den am längsten erprobten Malariamitteln und wurde früher auch in der Schwangerschaft verwendet, dann mit zusätzlicher Folsäure. Ob und welche Prophylaxe sinnvoll ist, muss jedoch immer ärztlich entschieden werden.

Wo steckt Proguanil heute drin?

In der Fixkombination Atovaquon-Proguanil, die unter dem Namen Malarone und als Generika verkauft wird.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG): Empfehlungen zur Malariavorbeugung.
  • Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber Malaria.
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): Guidelines for Malaria und International Travel and Health.
  • US Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Malaria – Choosing a Drug to Prevent Malaria.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Welche Malariaprophylaxe für Sie geeignet ist, klärt eine reisemedizinische Fachstelle individuell – abhängig von Reiseziel, Gesundheitszustand und weiteren Medikamenten.