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Malaria-Schutz per Spritze: monoklonale Antikörper zeigen 77 % Wirkung

Ein neuer Ansatz zum Malaria-Schutz macht Hoffnung: In einer Studie in Mali schützte eine einzige Spritze mit einem sogenannten monoklonalen Antikörper Kinder zu bis zu 77 Prozent vor einer Malaria-Erkrankung – über die gesamte rund sechsmonatige Übertragungssaison. Anders als eine Impfung liefert dieser Wirkstoff fertige Schutzantikörper und wirkt sofort. Noch ist er experimentell und kein Reiseschutz, doch die Ergebnisse gelten als wichtiger Fortschritt.

ThemaMonoklonaler Antikörper zur Malaria-Vorbeugung (passive Immunisierung)
StudiePhase-2-Studie mit Kindern in Mali (NIH), veröffentlicht im New England Journal of Medicine
ErgebnisEine Einmal-Spritze: 77 % (höhere Dosis) bzw. 67 % Schutz vor symptomatischer Malaria
VorteilSofortiger Schutz, eine Dosis, Wirkung über Monate
StatusExperimentell – noch nicht zugelassen, kein Reiseimpfstoff
ErregerGerichtet gegen Plasmodium falciparum

Was sind monoklonale Antikörper?

Monoklonale Antikörper sind im Labor hergestellte Eiweiße, die einem ganz bestimmten Krankheitserreger gezielt entgegenwirken. Aus der Krebs- und COVID-Therapie sind sie bereits bekannt. Bei Malaria richten sich die Antikörper gegen die sogenannten Sporozoiten – jene Form des Erregers Plasmodium falciparum, die beim Stich der Anopheles-Mücke in den Körper gelangt und zur Leber wandert.

Der entscheidende Unterschied zu einer Impfung: Der Körper muss die Abwehr nicht erst selbst aufbauen. Die schützenden Antikörper werden direkt verabreicht und sind sofort im Blut aktiv. Man spricht deshalb von einer passiven Immunisierung. Ein einziger, lang wirkender Antikörper kann so über Monate schützen.

Was die Mali-Studie zeigt

In der von den US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) durchgeführten Studie erhielten Kinder in Mali vor der Regenzeit eine einmalige Spritze unter die Haut. Über die anschließende, rund sechs Monate dauernde Hochsaison der Übertragung wurde beobachtet, wie viele erkrankten. Das Ergebnis: Bei der höheren Dosis lag der Schutz vor einer symptomatischen Malaria bei 77 Prozent, bei der niedrigeren bei 67 Prozent.

Die Studie, veröffentlicht im renommierten New England Journal of Medicine, belegte damit erstmals, dass eine einzige unter die Haut gespritzte Antikörperdosis Kinder in einem Gebiet mit sehr intensiver Übertragung zuverlässig schützen kann. Frühere Antikörper-Kandidaten hatten bereits bei Erwachsenen in den USA und in Afrika Schutz gezeigt. Grundlegende Informationen zur Erkrankung bündelt unsere Seite Was ist Malaria?.

Unterschied zur Malaria-Impfung

Seit 2021 gibt es mit RTS,S und R21/Matrix-M zwei von der WHO empfohlene Malaria-Impfstoffe, die das Immunsystem trainieren, selbst Antikörper zu bilden. Sie werden in mehreren Dosen verabreicht und sind auf Kinder in Endemiegebieten ausgerichtet. Details dazu auf unserer Seite zur Malaria-Impfung.

Der monoklonale Antikörper ergänzt diesen Werkzeugkasten, statt ihn zu ersetzen. Sein Vorteil ist der sofortige Schutz mit nur einer Gabe – interessant etwa, um Kinder gezielt über eine Regenzeit zu schützen. Nachteile sind die aufwendige Herstellung und die derzeit noch hohen Kosten. Beide Ansätze zielen darauf, die Zahl schwerer Verläufe zu senken, ersetzen aber weder Mückenschutz noch die schnelle Behandlung im Krankheitsfall.

Was bedeutet das für Reisende?

So vielversprechend die Daten sind – für Urlauberinnen und Urlauber ändert sich vorerst nichts. Der Antikörper ist noch experimentell, nicht zugelassen und ausdrücklich kein Reiseschutz. Getestet wird er bei Kindern in Hochrisikogebieten, nicht als Reiseprophylaxe.

Für Reisen in ein Malariagebiet bleiben deshalb die bewährten Maßnahmen entscheidend: konsequenter Mückenschutz und – je nach Ziel – eine medikamentöse Vorbeugung. Welche Regionen betroffen sind, zeigt unsere Übersicht der Malaria-Risikogebiete, welche Mittel infrage kommen der Vergleich der Prophylaxe-Medikamente, und die Grundlagen die Seite zur Malaria-Vorbeugung. Perspektivisch könnte eine einzige, monatelang wirkende Spritze aber auch für Reisende ein attraktiver Schutz werden – bis dahin gilt: Fieber nach einer Tropenreise immer rasch ärztlich abklären (siehe Symptome).

Häufige Fragen

Kann ich mir diesen Malaria-Antikörper vor einer Reise spritzen lassen?

Nein. Der monoklonale Antikörper ist noch in der Erprobung, nicht zugelassen und steht Reisenden nicht zur Verfügung. Er wird derzeit bei Kindern in Endemiegebieten untersucht. Für Reisen bleiben Mückenschutz und medikamentöse Prophylaxe der Standard.

Ist ein Antikörper dasselbe wie eine Impfung?

Nein. Eine Impfung regt den Körper an, selbst Antikörper zu bilden. Beim monoklonalen Antikörper werden fertige Schutzantikörper direkt verabreicht – der Schutz wirkt sofort, hält aber nur begrenzte Zeit, weil der Körper sie nach und nach abbaut.

Wie gut schützt eine einzige Dosis?

In der Mali-Studie verhinderte eine Einmal-Spritze bei der höheren Dosis 77 Prozent der symptomatischen Malaria-Erkrankungen über die rund sechsmonatige Saison. Einen vollständigen Schutz bietet auch dieser Ansatz nicht.

Quellen

  • National Institutes of Health (NIH) / NIAID: Mitteilung zur Wirksamkeit eines experimentellen monoklonalen Malaria-Antikörpers bei Kindern in Mali.
  • New England Journal of Medicine: Studienergebnisse zur Sicherheit und Wirksamkeit des monoklonalen Antikörpers gegen Malaria.

Hinweis: Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemein verständlich zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Zu Impfungen, Prophylaxe und Reiseschutz berät Sie eine reisemedizinische Fachstelle individuell.