
Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) hat im August 2026 ihre neuen Empfehlungen zur Malariaprävention für Reisende veröffentlicht. Für Tansania fällt die Einstufung eindeutig aus: Im ganzen Land besteht unterhalb von 2.500 Höhenmetern ganzjährig ein hohes Malariarisiko – ausdrücklich auch in den Nationalparks, in Daressalam und auf Sansibar. Die DTG empfiehlt dort neben konsequentem Mückenschutz eine medikamentöse Vorbeugung. Was das für Safari, Strandurlaub und Kilimandscharo-Trekking bedeutet, lesen Sie hier.

Was ist neu an den DTG-Empfehlungen 2026?
Die Empfehlungen des Ständigen Ausschusses Reisemedizin (StAR) der DTG sind am 10. August 2026 online in der Fachzeitschrift Flugmedizin · Tropenmedizin · Reisemedizin erschienen (Flug u Reisemed 2026; 33: 165–203). Sie gelten im deutschsprachigen Raum als maßgebliche Grundlage für die reisemedizinische Beratung zur Malaria und werden jährlich aktualisiert.
Eine Neuerung betrifft die Länderkarten: Sie entstehen gemeinsam mit dem schweizerischen Expertenkomitee für Reisemedizin (EKRM) sowie Fachleuten aus Österreich, Belgien und den Niederlanden – und seit 2026 erstmals auch aus Polen und Frankreich. Grundlage sind epidemiologische Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Die Ausgangslage beschreibt die DTG nüchtern: Weltweit wurden 2024 rund 282 Millionen Malariafälle registriert (Vorjahr: 273 Millionen), etwa 94 Prozent davon in Afrika südlich der Sahara. 610.000 Menschen starben an Malaria. In Deutschland wurden 2025 insgesamt 890 importierte Malariafälle gemeldet (2024: 934). Bei den Fällen mit bekannter Erregerart handelte es sich zu 86 Prozent um Plasmodium falciparum, den Erreger der Malaria tropica. 83 Prozent der Erkrankungen wurden aus der WHO-Region Afrika eingeschleppt.
Wie stuft die DTG das Malariarisiko in Tansania ein?
Laut DTG-Ländertabelle 2026 gehen in Tansania mehr als 99 Prozent der Infektionen auf P. falciparum zurück. Die Übertragung findet ganzjährig statt. Die Einteilung im Überblick:
- Hohes Risiko – Chemoprophylaxe empfohlen: im gesamten Land in Höhenlagen bis 2.500 Meter, einschließlich der Nationalparks und Daressalam, sowie auf den Inseln Sansibar, Pemba und Mafia.
- Geringes Risiko – Mückenschutz empfohlen: Höhenlagen über 2.500 Meter.
Damit liegen praktisch alle klassischen Reiseziele – Serengeti, Ngorongoro, Tarangire, die Küste und die Inseln – im Hochrisikobereich. Ausführliche Informationen zum Land finden Sie auf unserer Länderseite Malaria in Tansania.
Hinzu kommt ein Resistenzthema: Die WHO hat in Tansania – ebenso wie in Eritrea, Ruanda und Uganda – eine partielle Resistenz gegen Artemisinin bestätigt. Artemisinin-Kombinationspräparate sind weltweit das Rückgrat der Malariatherapie. Für Reisende unterstreicht das, wie wichtig Vorbeugung und eine schnelle Diagnose im Krankheitsfall sind.
Sansibar: kein Inselbonus
Viele Reisende halten den Strandurlaub auf Sansibar für risikoarm. Die DTG ordnet Sansibar, Pemba und Mafia jedoch ausdrücklich dem hohen Risiko zu – mit derselben Empfehlung wie für das Festland. Gerade abends am Strand oder auf der Terrasse sind Anopheles-Mücken aktiv. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite Malaria auf Sansibar.
Kilimandscharo: Risiko vor und nach dem Aufstieg
Oberhalb von 2.500 Metern stuft die DTG das Risiko als gering ein. Trekkingreisen beginnen und enden jedoch in tiefer gelegenen Orten am Fuß des Berges, und viele Reisende verbinden die Besteigung mit einer Safari oder einigen Tagen auf Sansibar. In diesen Abschnitten gilt das hohe Risiko. Ob und wie die Prophylaxe über die gesamte Reise eingenommen wird, sollten Sie deshalb anhand Ihres genauen Reiseverlaufs ärztlich klären.
Welche Medikamente nennt die DTG zur Vorbeugung?
Als zentrale Optionen der medikamentösen Prophylaxe nennt die DTG 2026 Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin und Mefloquin. Die Wahl hängt laut DTG von Reiseziel, Reiseart, Alter und Gesundheitszustand ab und gehört in die ärztliche Beratung. Alle Mittel sind verschreibungspflichtig.
- Atovaquon-Proguanil: Die Einnahme beginnt laut DTG kurz vor Betreten des Malariagebiets und endet sieben Tage nach dem Verlassen. Das Mittel eignet sich damit auch für Last-Minute- und Kurzreisen.
- Doxycyclin: Wird von der WHO empfohlen, ist in Deutschland für diese Anwendung aber nicht zugelassen (Off-Label-Einsatz). Die Einnahme muss bis 28 Tage nach der Rückkehr fortgesetzt werden. Doxycyclin kann die Haut lichtempfindlicher machen – ein Punkt, der bei Safari und Strandurlaub zählt.
- Mefloquin: Ist in Deutschland nicht mehr im Handel, kann aber über Apotheken aus dem Ausland bezogen werden. Wegen möglicher neuropsychiatrischer Nebenwirkungen gelten zahlreiche Gegenanzeigen. Bei erstmaliger Einnahme rät die DTG, möglichst zwei bis drei Wochen vor Abreise zu beginnen.
Artemisinin-Kombinationspräparate wie Artemether-Lumefantrin sind laut DTG ausschließlich zur Behandlung zugelassen, nicht zur Vorbeugung. Kindern unter fünf Jahren und Schwangeren rät die DTG grundsätzlich von Aufenthalten in Malaria-Hochrisikogebieten ab; ist eine Reise unvermeidbar, ist eine besonders sorgfältige Beratung nötig.
Mückenschutz bleibt Pflicht
Die DTG betont: Die Vermeidung von Mückenstichen bleibt auch bei Einnahme einer Prophylaxe unverzichtbar. Kein Medikament schützt vollständig. Die wichtigsten Punkte:
- Repellentien: DEET gilt als Goldstandard. Icaridin wirkt in einer Konzentration ab 20 Prozent ähnlich gut. IR3535 schützt gegen Anopheles-Mücken kürzer und ist in Malariagebieten nicht die erste Wahl.
- Kleidung: Helle, lange Kleidung in den Abend- und Nachtstunden, wenn Anopheles-Mücken stechen.
- Moskitonetz: Schlafen unter einem intakten, möglichst imprägnierten Netz – auch in Lodges und Zeltcamps.
Welche Mittel wie gut wirken, haben wir in unserem Ratgeber Mückenschutzmittel im Vergleich zusammengestellt.
Was tun bei Fieber nach der Rückkehr?
Eine Malaria tropica kann innerhalb weniger Tage nach Beginn der Symptome lebensbedrohlich werden. Die DTG betont deshalb, dass bei Fieber oder anderen unklaren Beschwerden auch noch Monate nach der Rückkehr umgehend ärztlicher Rat einzuholen ist – mit dem Hinweis auf die Reise nach Tansania. Typisch sind Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Die Beschwerden ähneln einer Grippe; nur ein Bluttest bringt Klarheit. Eine Übersicht über die Anzeichen finden Sie auf unserer Seite zu den Malaria-Symptomen.
Häufige Fragen zur Malaria-Prophylaxe für Tansania
Brauche ich für einen Strandurlaub auf Sansibar eine Prophylaxe?
Die DTG stuft Sansibar wie das Festland als Gebiet mit hohem Risiko ein und empfiehlt dort eine Chemoprophylaxe zusätzlich zum Mückenschutz. Welches Medikament für Sie passt, klären Sie in der reisemedizinischen Beratung.
Ab welcher Höhe ist das Risiko in Tansania gering?
Nach den DTG-Empfehlungen 2026 gilt ein hohes Risiko in Höhenlagen bis 2.500 Meter, darüber ein geringes Risiko. Da die meisten Reiserouten durch tiefer gelegene Gebiete führen, betrifft das hohe Risiko praktisch jede Tansania-Reise.
Welches Prophylaxe-Medikament ist für Tansania am besten?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die DTG nennt Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin und Mefloquin als zentrale Optionen. Vorerkrankungen, weitere Medikamente, Reisedauer und Reiseart entscheiden über die Wahl. Die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Wann sollte ich mich beraten lassen?
Möglichst einige Wochen vor Abreise. Bei Mefloquin rät die DTG bei erstmaliger Einnahme zu einem Beginn zwei bis drei Wochen vor der Reise, damit Unverträglichkeiten noch vor dem Abflug erkannt werden. Auch Impfungen benötigen teils Vorlauf.
Gibt es eine Malaria-Impfung für Reisende?
Nein. Die zugelassenen Malaria-Impfstoffe sind für Kinder in Endemiegebieten vorgesehen. Reisende schützen sich mit Mückenschutz und, wo empfohlen, mit einer medikamentösen Prophylaxe.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG): Empfehlungen zur Malariaprävention für Reisende 2026, Flug u Reisemed 2026; 33: 165–203 (online 10. August 2026).
- DTG: Tabelle Länderinformationen 2026.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Fact sheet Malaria (Artemisinin-Teilresistenz, globale Fallzahlen).
Hinweis: Dieser Beitrag fasst den aktuellen Stand allgemein verständlich zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Zu Prophylaxe, Mückenschutz und dem richtigen Vorgehen bei Fieber nach einer Reise berät Sie eine reisemedizinische Fachstelle oder Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt.