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WHO-Malariabericht 2025: 610.000 Tote und wachsende Resistenzen

Der WHO World Malaria Report 2025 (4. Dezember 2025) meldet für 2024 rund 282 Millionen Malariafälle und etwa 610.000 Todesfälle – ein leichter Anstieg. 95 Prozent der Todesfälle entfallen auf Afrika, vor allem auf Kinder unter fünf Jahren. Neben Fortschritten beim Impfstoff warnt die WHO scharf vor Resistenzen, einer massiven Finanzierungslücke und dem Klimawandel als Treiber.

Wie viele Malariafälle und Todesfälle meldet der Bericht?

Für das Jahr 2024 schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der Malariafälle auf rund 282 Millionen und die der Todesfälle auf etwa 610.000. Das sind ungefähr 9 Millionen mehr Erkrankungen als im Vorjahr, und auch die Zahl der Todesopfer stieg leicht an – 2023 hatte die WHO noch etwa 598.000 Malariatote registriert. Die globale Sterberate lag bei 13,8 Todesfällen pro 100.000 Einwohner der Risikobevölkerung. Zum Vergleich: Die Zielmarke der WHO-Strategie liegt bei 4,5 pro 100.000. Die Malaria bleibt damit trotz aller Anstrengungen eine der tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt.

Der Bericht betont zugleich das enorme Ausmaß der abgewendeten Schäden: Allein 2024 verhinderten Prävention und Behandlung schätzungsweise 170 Millionen Erkrankungen und rund eine Million Todesfälle. Seit dem Jahr 2000 wurden nach WHO-Berechnung etwa 2,3 Milliarden Malariafälle und rund 14 Millionen Todesfälle vermieden. Diese Bilanz erklärt, warum Fachleute von einer „Stagnation auf hohem Niveau“ sprechen: Der historische Rückgang ist ins Stocken geraten, ohne die vorhandenen Instrumente wären die Zahlen jedoch dramatisch höher.

Welche Länder und Regionen sind am stärksten betroffen?

Die Last verteilt sich extrem ungleich. Die WHO-Region Afrika trägt rund 94 Prozent aller Fälle und etwa 95 Prozent aller Todesfälle – und die überwältigende Mehrheit der Opfer sind Kinder unter fünf Jahren. Innerhalb Afrikas konzentriert sich die Sterblichkeit auf wenige Länder: Nigeria allein steht für etwa ein Drittel der Todesfälle in der Region (rund 31,9 Prozent), gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo (etwa 11,7 Prozent) und Niger (rund 6,1 Prozent). Diese drei Länder machen zusammen etwa die Hälfte aller afrikanischen Malariatoten aus.

Für Reisende bedeutet das: Wer in Regionen wie West- und Zentralafrika unterwegs ist, bewegt sich in Gebieten mit hoher Übertragungsdichte. Ein Blick auf die aktuellen Risikogebiete vor jeder Reise ist deshalb unverzichtbar, weil sich Verbreitung und Risikoeinstufung von Jahr zu Jahr verschieben können.

Warum warnt die WHO vor Artemisinin-Resistenz und resistenten Mücken?

Die vielleicht beunruhigendste Botschaft des Berichts betrifft die biologischen Bedrohungen. Bei der Artemisinin-Teilresistenz (Fachkürzel ART-R) verlangsamt sich das Ansprechen der Parasiten auf die wichtigste Wirkstoffgruppe der modernen Malariatherapie. Bestätigt ist diese partielle Resistenz inzwischen in mehreren ostafrikanischen Ländern – unter anderem in Eritrea, Ruanda, Uganda und Tansania – und wird in weiteren Staaten wie Äthiopien, Namibia, dem Sudan und Sambia vermutet. Insgesamt ist Artemisinin-Teilresistenz in mindestens acht afrikanischen Ländern bestätigt oder wahrscheinlich. Da Artemisinin-Kombinationstherapien das Fundament der Standardbehandlung bilden, könnte eine weitere Ausbreitung die Erfolge von zwei Jahrzehnten gefährden. Details dazu, wie die Behandlung heute funktioniert, sind für das Verständnis dieser Warnung zentral.

Hinzu kommt die Resistenz der Überträgermücken selbst: Gegen Pyrethroide – die klassischen Insektizide für imprägnierte Moskitonetze – sind Anopheles-Mücken mittlerweile in 48 Ländern widerstandsfähig. Parallel breitet sich die invasive, an Städte angepasste Art Anopheles stephensi weiter aus und ist inzwischen in neun afrikanischen Ländern nachgewiesen. Sie brütet auch in urbanen Wasserbehältern und bedroht damit Millionen Stadtbewohner, die bislang als vergleichsweise sicher galten. Ein weiterer Faktor sind Parasiten, die sich der Erkennung durch gängige Schnelltests entziehen und so unentdeckt bleiben können.

Wie groß ist die Finanzierungslücke – und welche Rolle spielt das Klima?

Der Bericht dokumentiert eine dramatische Finanzierungslücke. 2024 flossen rund 3,9 Milliarden US-Dollar in die weltweite Malariabekämpfung – weniger als die Hälfte der für 2025 angepeilten 9,3 Milliarden US-Dollar. Verschärft wird die Lage durch Kürzungen der öffentlichen Entwicklungshilfe (ODA) reicher Länder, die um etwa 21 Prozent zurückging. Die Folgen sind konkret: Überwachungssysteme werden geschwächt, geplante Erhebungen abgesagt oder verschoben – ausgerechnet dort, wo verlässliche Daten am dringendsten gebraucht würden. Die WHO warnt, dass eine anhaltende Unterfinanzierung ein Wiederaufflammen der Krankheit begünstigen kann.

Als zusätzlichen Treiber nennt der Report den Klimawandel. Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen und Stürme schaffen neue Brutstätten und verschieben die Übertragungsgebiete, während sie zugleich Gesundheitssysteme und Versorgungsketten stören. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster können die Übertragungssaison verlängern und die Malaria in bislang wenig betroffene Höhenlagen tragen.

Welche Fortschritte gibt es – Impfstoffe und malariafreie Länder?

Trotz der Warnungen zeichnet der Bericht auch Lichtblicke. Der Ausbau der Malaria-Impfung gilt als wichtigster Durchbruch: Seit 2021 haben 24 Länder einen der beiden von der WHO empfohlenen Impfstoffe – RTS,S/AS01 (Mosquirix) und den neueren, günstiger produzierbaren R21/Matrix-M – in ihre Routineprogramme aufgenommen. Beide werden in einem Vier-Dosen-Schema für Kleinkinder verabreicht. Erste Auswertungen aus Ghana, Kenia und Malawi deuten darauf hin, dass unter den geimpfungsfähigen Kindern etwa jeder achte Malaria-Todesfall vermieden werden konnte – ein bemerkenswerter Effekt, der bei breiter Anwendung jährlich Zehntausende Leben retten könnte.

Auch die vorbeugende saisonale Chemoprävention wurde ausgeweitet und erreichte 2024 rund 54 Millionen Kinder in 20 Ländern – gegenüber nur 0,2 Millionen im Jahr 2012. Und die Landkarte der malariafreien Staaten wächst weiter: 47 Länder und ein Territorium sind inzwischen von der WHO offiziell als malariafrei zertifiziert. Zu den jüngsten Zertifizierungen zählen Kap Verde und Ägypten sowie Georgien, Surinam und Osttimor. Diese Erfolge zeigen, dass Elimination möglich ist – wenn Ressourcen und politischer Wille zusammenkommen.

Kennzahl (2024)Wert
Geschätzte Malariafälle weltweitca. 282 Millionen
Geschätzte Todesfälleca. 610.000
Anteil Afrika an den Todesfällenca. 95 %
Investitionen in die Malariabekämpfung3,9 Mrd. US-Dollar (Ziel: 9,3 Mrd.)
Länder mit Artemisinin-Teilresistenzmind. 8 (bestätigt/vermutet)
Länder mit Impfstoff im Routineprogramm24 (seit 2021)
Als malariafrei zertifiziert47 Länder + 1 Territorium

Was bedeutet der Bericht für Reisende?

Für Urlauber und Geschäftsreisende ändert der Report nichts an den Grundregeln – im Gegenteil, er unterstreicht sie. Die Kombination aus konsequentem Mückenschutz und, je nach Zielgebiet, medikamentöser Prophylaxe bleibt der wichtigste Schutz. Zur Expositionsprophylaxe gehören DEET-haltige Repellentien auf unbedeckter Haut, lange, helle Kleidung in der Dämmerung sowie das Schlafen unter imprägnierten Moskitonetzen. Diese Maßnahmen greifen unabhängig von Resistenzen, weil sie den Stich von vornherein verhindern – eine gute Übersicht bietet der Ratgeber zur Vorbeugung.

Die sich ausbreitenden Resistenzen sind vor allem ein Problem der Therapie in Hochlast-Ländern, nicht der Reiseprophylaxe im engeren Sinn. Dennoch gilt: Welche Prophylaxe-Medikamente für ein bestimmtes Reiseziel geeignet sind, hängt von der regionalen Resistenzlage ab und sollte vor der Abreise reisemedizinisch beraten werden. Wichtig bleibt auch die Faustregel für die Zeit nach der Rückkehr: Jedes Fieber innerhalb weniger Wochen nach einem Aufenthalt im Malariagebiet ist bis zum Beweis des Gegenteils als Malaria zu behandeln und erfordert umgehend ärztliche Abklärung. Für die Malaria-Impfung, die im Bericht so viel Raum einnimmt, gilt: Sie ist derzeit ein Instrument für den routinemäßigen Schutz von Kleinkindern in Endemiegebieten und kein Ersatz für die klassische Reiseprophylaxe.

Quellen: WHO World Malaria Report 2025 (veröffentlicht am 4. Dezember 2025); WHO-Pressemitteilung vom 4. Dezember 2025; UN News; Deutsches Ärzteblatt; Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG).

Quellenhinweis: Alle Zahlen stammen aus dem WHO World Malaria Report 2025 (Bezugsjahr 2024). Redaktioneller Stand: Dezember 2025. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung.